Verlauf der internationalen Sonnenfleckenrelativzahlen der letzten 150 Jahre bis Juni 2015 mit dem "neuzeitlichen "Grand Maximum" der Sonnenfleckenaktiviät von 1940 bis 2000.

SIDC/SILSO: Die 400jährige Reihe der Sonnenfleckenzahlen wird völlig überarbeitet

Die 400 Jahre alte Reihe der beobachteten internationalen Sonnenfleckenrelativzahlen (SN Ri) ist in einer Studie von international anerkannten Sonnenforschern überarbeitet worden.

Ab 1. Juli 2015 werden die alten Datensätze nach und nach durch die neuen Datensätze ersetzt. Dies teilt SILSO/SIDC auf seiner Website mit: Major change of data set on July 1st, 2015.

Die Anpassungen seien nötig, um sowohl die veränderten Beobachtungsmöglichkeiten als auch unterschiedliche Zählweisen der Sonnenflecken im Laufe der Jahrhunderte in vergleichbarer Weise darzustellen und den Bruch in den Beobachtungsreihen zu beseitigen.

Dabei seien vor allem die alten Sonnenfleckenrelativzahlen (Sunspot Numbers) an die neueren Bewertungen und Beobachtungsmöglichkeiten angepasst, also durchweg angehoben worden, so dass das neuzeitliche „Grand Maximum“ der Sonnenfleckenaktivität verschwinden wird.

NEUE ZÄHLWEISE OHNE MODERNES „GRAND MAXIMUM“: (Alle Grafiken können durch Anklicken vergrößert werden)

Neue Zählweise der internationalen Sonnenfleckcenrelativzahlen (Ri) nach Leif Svalgaard ab 1.7.2015 bei SISC/SILSO. Quelle: Sunspot Number reconstruction by Leif Svalgaard and proxy cycles of 104 and 208 years
Neue Zählweise der internationalen Sonnenfleckenrelativzahlen (SN Ri) nach Leif Svalgaard ab 1.7.2015 bei SIDC/SILSO. Quelle: Sunspot Number reconstruction by Leif Svalgaard and proxy cycles of 104 and 208 years

ALTE ZÄHLWEISE MIT MODERNEM „GRAND MAXIMUM“:

Verlauf der internationalen Sonnenfleckenrelativzahlen der letzten 150 Jahre bis Juni 2015 mit dem
Verlauf der internationalen Sonnenfleckenrelativzahlen der letzten 150 Jahre bis Juni 2015 mit dem neuzeitlichen „Grand Maximum“ der Sonnenfleckenaktiviät von 1940 bis 2000. Quelle: http://www.calsky.com/cs.cgi/Sun/10?obs=72919705750337&c=

Zitat: “…Auch Sami Solanki, Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, sagt über die schon jahrelang ausbleibende Sonnenaktivität, es sei die längste fleckenlose Zeit seit 100 Jahren. „Wir waren verwöhnt“, meinte er im Interview, „gut 60 Jahre lang war die Sonnenaktivität ungewöhnlich hoch – höher als jemals zuvor in 8000 Jahren. Jetzt pendelt sie sich vermutlich wieder auf normales Niveau ein…“ Quelle: Sonnenwind gibt Antworten zum Klimawandel

Die Anpassung/Erhöhung der alten Sonnenfleckenzahlen ist das genaue Gegenteil dessen, was unter Layman’s Sunspot Count seit vielen Jahren vorgestellt wird. Hier werden die überhöhten Sonnenfleckenrelativzahlen der Neuzeit weit niedriger, nämlich „nach alter Väter Sitte“ (Wolf) gezählt; damit wird ein Bruch in den Beobachtungsreihen weitgehend vermieden, der sich aus den Änderungen von Wolfer, Brunner und Waldmeier (0,6 Faktor) ergibt.

Ein aktuelles Beispiel der unterschiedlichen Zählweisen von dieser Website für den aktuellen Sonnenzyklus (SC) Nr. 24 sowie die schwachen Zyklen SC Nr. 14 und Nr. 5:

Zählweise der Sonnenfleckenraltivzahlen im Vergleich von SIDC und Layman's Sunspot Count (LSC) sowie
Zählweise der Sonnenfleckenraltivzahlen im Vergleich von SIDC und Layman’s Sunspot Count (LSC) sowie Group Sunspot Number (GSN) von Hoyt und Schatten. Quelle: wie oben

Die weltweit anerkannten Sonnenforscher hatten sich bei der Prognose für den voraussichtlichen Beginn, den Verlauf und die Stärke des aktuellen SC 24 mehrheitlich stark verschätzt. Von mehr als 40 Forscherteams sagten nur ganze vier Teams einen späten Beginn, einen langsamen Anstieg und ein schwaches Maximum richtig voraus: Predictions for Solar Cycle 24

Der SC 24 Prediction Panel, eine Art Weltsonnenrat der internationalen Solarforscher, hielt noch im Juni 2008 an seiner groben Fehlprognose für einen frühen Beginn, einen raschen Anstieg und eine hohe Sonnenfleckenaktivität fest:

„June 27, 2008  During the annual Space Weather Workshop held in Boulder, CO in May, 2008, the Solar Cycle 24 Prediction Panel released an update to the prediction for the next solar cycle. In short, the update is that the panel has not yet made any changes to the prediction issued in April, 2007. The panel expects solar minimum to occur in March, 2008. The panel expects the solar cycle to reach a peak sunspot number of 140 in October, 2011 or a peak of 90 in August, 2012.“ Quelle: http://legacy-www.swpc.noaa.gov/SolarCycle/SC24/index.html

Der SC 24 Prediction Panel war selbst noch zu diesem späten Zeitpunkt in zwei Lager mit unterschiedlichen Erwartungen gespalten und blieb bei seinen Einschätzungen vom April 2007:

„..In the cycle forecast issued today, half of the panel predicts a moderately strong cycle of 140 sunspots, plus or minus 20, expected to peak in October of 2011.  The other half predicts a moderately weak cycle of 90 sunspots, plus or minus 10, peaking in August of 2012. An average solar cycle ranges from 75 to 155 sunspots.  The late decline of Cycle 23 has helped shift the panel away from its earlier leaning toward a strong Cycle 24.  Now the group is evenly split between strong and weak…“ Quelle: April 25, 2007 NOAA Press Release

Dabei war selbst für versierte Laien bereits seit 2005(!) aus der statistischen Arbeit Estimating the size and timing of the maximum amplitude of solar cycle 24 von Li et al. zu entnehmen, dass der SC 24 ein spät einsetzender, ein langsam ansteigender (SRC – Slow Raising Cycle) Sonnenzyklus mit einem schwachen Sonnenfleckenmaximum um SSN 70 werden könnte. Sonnenfleckenanzahl-2009-jetzt-amtlich

 „Mein Tipp unverändert: Langsamer Anstieg bis ca. SSN 70, Höhepunkt erst 2014/2015. Sonnenflecken Juni 2008: 3.1 – Halbjahresbilanz: ungewöhnlich niedrig.“

Diese Einschätzung hatte ich in einer Fortschreibung der Li et al.-Arbeit von 2005 im April 2012 vertieft:  Statistik: Schwaches Sonnenmaximum im September 2013 – Oder erst im Mai 2014?

Die gemessene Realität: 2014 : maximum year for solar cycle 24

– Beginn des SC 24 im Dezember 2008 (Solarminimum)

– Sonnenfleckenmaximum bei SSN 81,8

– Sonnenfleckenmaximum (peak) SSN im April 2014.

Ob die weltweit anerkannten besten Sonnenforscher mit ihrer jahrelangen im Konsens verbreiteten totalen Fehlprognose des SC 24 nun bei der völligen Neubewertung des 400 Jahre alten Datensatzes der Sonnenfleckenrelativzahlen – vor allem durch Anhebung der alten Daten-  richtig liegen, statt die neuen – überhöhten – Daten „nach alter Väter Sitte“ nach unten anzupassen, bleibt wohl abzuwarten…

Update: Einige kritische Anmerkungen zu den Änderungen der 400jährigen Reihe der Sonnenflecken-Relativzahl (Wolf Number) in der Weltdatenbank beim SIDC wegen (nur) einer einzigen Studie trotz entgegenstehender Studien:

„In summary we have several contributing factors that are undeniably adding to the modern sunspot record.

1. The Waldmeier factor adding 22% via a different counting method that is still used by SIDC today (Leif Svalgaard)

2. A higher speck ratio during SC24 that was not considered by Wolfer when applying his 0.6K factor. Wolfer compared his count with Wolf’s baby 20x telescope which is less than satisfactory. Wolf’s eye sight was also questionable during this period.

3. The projection method introduced in 1883 producing a step increase in spot numbers that is shown via many metrics.

4. Moving to multiple world wide viewers taken over 24 hours increasing available coverage.

5. Modern 150mm telescopes able to resolve smaller specks than Wolf’s 80mm & 40mm telescopes (this would mainly apply on days where Catania is used instead of Locarno) but the original Wolf 80mm telescope was upgraded significantly when Wolfer and his successors took over.

There is one outstanding issue: Does the modern projection method apply a 64X magnification at the viewing aperture or at the projected image? (New evidence according to private communications suggest that the Locarno counting method is performed by eye through the lens (stopped to 80mm), while the actual drawing is recorded at the lens width of 150mm)

Thanks to those supporting the LSC on WUWT, Svalgaard continues to call the method „uncalibrated junk“ but misses the point as usual. The LSC removes the Waldmeier factor (like a bad calibrator) in the current record which is a universal requirement and it also adjusts for the increased speck ratio experienced during grand minima. Wolf used a tiny 40mm 20x telescope for the larger part of his observations which had a conversion factor to take it up to the 80mm telescope that Wolfer used. Wolfer introduced a further 0.6 correction factor because he counted all specks (Wolf had a threshold), but both correction factors where tested and applied outside of grand minimum type cycles…they had no way of knowing or how to correct for a grand minimum type cycle. The LSC in effect removes the „bad“ calibration errors of the past.

Which ever way you cut it SC24 is following Wolf & Wolfers combined reconstruction of SC5 and looks nothing like SC14 (Svalgaard continues to make wild claims?). SC24 will be the lowest cycle in 200 years.“

Quelle: Layman’s Sunspot Count (Siehe hier auch: A BRIEF HISTORY ON THE EVOLUTION OF THE SUNSPOT COUNT.)

Herzlich euer

Schneefan2015

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