ECMWF: Polarwirbel mit Dipol – Ende der milden Witterung in Sicht?

Update 20.12.2015: GFS schließt sich der Dipol-Prognose an (Grafik weiter unten).

Der bisher sehr geschlossene und kräftige arktische Polarwirbel kann sich zum Jahresende 2015 teilen und das Ende der bisher sehr stabilen milden zonalen Großwetterlage einleiten.

Das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW, englisch European Centre for Medium-Range Weather Forecasts, ECMWF) mit Sitz in Reading/England rechnet heute eine Aufspaltung des Polarwirbelzentrums in zwei Zentren (Dipol, Brille) zum Jahresende 2015, was in der Folge auch zu einem Polarwirbel-Split führen kann:

(zum Vergrößern anklicken)

ECMWF-Prognose vom 18. Dezember für den arktischen Polarwirbel am 28. Dezember 2015. Des Zentrum des Polarwirbels hat sich geteilt (Dipol, Brille). Ein Teilzentrum liegt über Nordkanada, ein weiteres über Nordsibirien. Quelle:
ECMWF-Prognose vom 18. Dezember für den arktischen stratosphärischen Polarwirbel in 100 hPa (rund 16000 m) am 28. Dezember 2015. Des Zentrum des Polarwirbels hat sich aufgeteilt (Dipol, Brille), der Wirbel ist aber insgesamt noch geschlossen. Ein Teilzentrum liegt über Nordkanada, ein weiteres über Nordsibirien. Quelle: http://www.geo.fu-berlin.de/met/ag/strat/produkte/winterdiagnostics/index.html

Sollte der Luftdruck zwischen den beiden Zentren des Polarwirbels weiter steigen, könnte es zu einem Polarwirbelsplit mit zwei voneinander völlig getrennten Wirbeln kommen. Eine Teilung des Polarwirbels bewirkt eine Meridionalisierung (Nord- Südausrichtung) des Polarjets mit verstärkten Kaltluftausbrüchen in die mittleren Breiten der NH.

(Nur) Wenn Europa bei dieser möglichen Entwicklung in einen wie oben dargestellten kalten Trog über dem Nordatlantik oder auf dessen kalte Rückseite (Westseite) gelangt, wäre verbreitet winterliches Wetter zu erwarten.

Allerdings unterstützt die aktuelle – und einen halben Tag jüngere – GFS-Strat.-Prognose der amerikanischen Wetterbehörde NOAA vom 19. Dezember die Dipol-Progose von ECMWF bisher nicht richtig, sondern sieht für den 28./29.12.2015 lediglich eine Streckung des Polarwirbelzentrums mit zwei ausgeprägten kalten Trögen über dem Nordatlantik und über Nordsibirien (Bumerang-Form):

GFS-Stratosphären-Prognose vom 19. Dezember 2015 für den 28./29. Dezember 2015 in 100 hPa (rund 16000 m). Das Zentrum des Polarwirbels ist in Bumertang-Form gestreckt und mpndest in zwei ausgeprägte kalte Tröge über dem Nordatlantik und über Nordsibirien. Mitteleuropa liegt unter hohem Luftdruck in einer milden milden südwestlichen Anströmung. Quelle
GFS-Stratosphären-Prognose vom 19. Dezember 2015 für den 28./29. Dezember 2015 in 100 hPa (rund 16000 m). Das Zentrum des Polarwirbels ist in Bumerang-Form gestreckt und mündet in zwei ausgeprägte kalte Tröge über dem Nordatlantik und über Nordsibirien. Mitteleuropa liegt unter hohem Luftdruck in einer milden südwestlichen Anströmung auf der Vorderseite (Ostseite) des kräftigen kalten atlantischen Troges. Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/stratosphere/strat_a_f/#emcz

Update 20.12.2015: GFS schließt sich heute der ECMWF-Dipol-Prognose für den 29./30.12.2015 an:

GFS-Stratosphären-Prognose vom 19. Dezember 2015 für den 29./30. Dezember 2015 in 100 hPa (rund 16000 m). Der Polarwirbel hat sich in zwei Teilzentren geteilt und zwei ausgeprägte kalte Tröge über dem Nordatlantik und über Nordsibirien. Mitteleuropa liegt unter hohem Luftdruck in einer milden milden südwestlichen Anströmung. Quelle
GFS-Stratosphären-Prognose vom 20. Dezember 2015 für den 29./30. Dezember 2015 in 100 hPa (rund 16000 m). Der Polarwirbel hat zwei Teilzentren (Dipol/Brille) gebildet und zwei ausgeprägte kalte Tröge über dem Nordatlantik und über Nordsibirien entwickelt. Mitteleuropa liegt unter hohem Luftdruck in einer milden südwestlichen Anströmung. Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/stratosphere/strat_a_f/#emcz

Für Winterliebhaber (Schneefans…) und Pollengeplagte bestimmt eine weitere Beobachtung wert…, denn Garantien gibt es bei einem Prognosezeitraum von zehn Tagen natürlich noch nicht…

Wer sich fragt, wo eigentlich der von GFS Ende November für Mitte Dezember 2015 in großen Teilen Europas gerechnete heftige Wintereinbruch geblieben ist, findet seine eisigen Spuren lediglich über Nordosteuropa, während vor allem West- und Mitteleuropa überwiegend von sehr milden Luftmassen geflutet werden:

Die 2m-Tiefsttemperaturen Tmin) bis unter -20°C in der Nacht zum 18. Dezember 2015 nach heftigerm Wintereinbruch vor allem in Nordosteuropa. Quelle:
Die 2m-Tiefsttemperaturen (Tmin) bis unter -20°C in der Nacht zum 18. Dezember 2015 nach heftigem Wintereinbruch vor allem in Nordosteuropa. Quelle: http://www.wetteronline.de/wetter-aktuell-farbkarte/europa

Zum Trost für die Freundinnen und Freunde des Schnees lasse ich in meinem Blog bis Anfang Januar 2016 ein paar Flöckchen über den Schirm rieseln…

Einen schönen vierten Advent wünscht euer

Schneefan2015

 

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