Eisiges Winterwetter mit viel Schnee im Januar 2016? Der gestörte Polarwirbel dominiert die Nordhalbkugel!

Update 10.1.2016: CFSv2 sieht nun wie erwartet einen deutlich kälteren Januar 2016 in Europa (Grafik weit unten).

Nach heftigen Wintereinbrüchen bis weit in den Süden der Nordhalbkugel mit Schneestürmen im US-Bundesstaat New Mexico und im Libanon sowie verbreitet eisiger Kälte und Schneefällen in Europa ist ein Andauern winterlicher Verhältnisse auch im Januar 2016 zu erwarten.

Aktuell liegt eine Luftmassengrenze mit Schneefällen quer über Deutschland, die eisige russisch-sibirische Kaltluft im Osten von milderer Meeresluft im Westen trennt.

(zum Vergrößern anklicken)

Die WO-Grafik zeigt die Tiefsttemperaturen (Tmin) in Europa am 4.1.2016. Durch Deutschland verläuft eine Luftmassengrenze zwischen eisiger russisch-sibirischer Luft im Osten und milderer Meesluft im Westen. Quelle:
Die WO-Grafik zeigt die gemessenen Tiefsttemperaturen (Tmin) in Europa am 4.1.2016. Durch Deutschland verläuft eine Luftmassengrenze zwischen eisiger russisch-sibirischer Luft im Osten und milderer Meesluft im Westen. Quelle: http://www.wetteronline.de/wetter-aktuell-farbkarte/europa

Im Bereich der Luftmassengrenze ist heute verbreitet mit Schneefällen über Deutschland und Österreich bis nach Südosteuropa zu rechnen:

WO-Schneefallprognose vom 4.1. für den 4.1.2016 in Europa. Im Bereich der Luftmassengrenze ist verbreitet mit Schneefällen zu rechnen. Quelle:
WO-Schneefallprognose vom 4.1. für den 4.1.2016 in Europa. Im Bereich der Luftmassengrenze ist verbreitet mit Schneefällen zu rechnen. Quelle: http://www.wetteronline.de/schneefall-karte/europa?fcdatstr=20160104

Ursache der bisherigen und der bevorstehenden winterlichen Wetterextreme auf der winterlichen Nordhalbkugel ist der wiederholt gestörte arktische Polarwirbel, der starke Wellen im Polarjet mit weit nach Süden ausgreifenden kalten Trögen und weit nach Norden reichenden warmen Höhenrücken auslöst, wie ich hier schon beschrieben habe: Bergfex: Neuschnee bis zu 70 Zentimeter in den Westalpen in Sicht – Luftmassengrenze über Deutschland

Weitere Störungen des Polarwirbels mit Dipol werden heute von den Stratosphärenmodellen übereinstimmend sowohl von ECMWF als auch von NOAA/GFS für die kommenden Tage gerechnet, was zeitversetzt weitere heftige Kaltluftvorstöße aus der Arktis in die mittleren Breiten der NH bewirken wird.

ECMWF-Prognose vom 3. Januar für den arktischen Polarwirbel in 150 hPa (13000m) am 6. Januar 2016. Das Zentrum des Polarwirbels hat sich geteilt (Dipol, Brille). Ein Teilzentrum liegt über Nordkanada, ein weiteres über Nordsibirien. Quelle:
ECMWF-Prognose vom 3. Januar für den arktischen Polarwirbel in 150 hPa (13. 000 m) am 6. Januar 2016. Das Zentrum des Polarwirbels hat sich geteilt (Dipol, Brille). Ein Teilzentrum liegt bei Grönland, ein weiteres nahe der russischen Halbinsel Kamtschatka.  Über Mittel- und Südeuropa liegt ein kalter Trog, während über dem Nordmeer hoher Luftdruck erkennbar ist. Quelle: http://www.geo.fu-berlin.de/met/ag/strat/produkte/winterdiagnostics/index.html
GFS-Stratosphären-Prognose vom 4. Januar 2016 für den 8. Januar 2016 in 100 hPa (rund 16.000 m). Der Polarwirbel hat sich in zwei Teilzentren über Nordsibirien und über der Labradorsee bei Grönland geteilt. Über Europa haben sich zwei versetzte großräumige kalten Tröge entwickelt. Quelle:
GFS-Stratosphären-Prognose vom 4. Januar 2016 für den 8. Januar 2016 in 100 hPa (rund 16.000 m). Der Polarwirbel ist stark gestört, sein Zentrum hat sich in zwei Teilzentren über Südostsibirien nahe der Halbinsel Kamtschatka und über Spitzbergen geteilt, ein drittes Teilzentrum entwickelt sich über Südgrönland. Über Europa liegt ein umfangreicher kalter Trog mit einer strammen Westdrift. Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/stratosphere/strat_a_f/#emcz

Diese kräftigen Störungen des arktischen Polarwirbels sollen nach den aktuellen Rechnungen beider Stratosphärenmodelle zum Ende des zehntägigen Prognosezeitraums anhalten, wie auch die Prognose für negative Werte der Arktischen Oszillation erwarten lässt.

NOAA-Prognose (rote Linien in der oberen Grafik) für die Arktische Oszillation (AO) vom 4.1.2016 für die kommenden zwei Wochen. Die schwarze Linie stellt die gemessenen Werte dar. Die Prognose zeigt Anfgang 2016 einen Absturz der AO-Werte in den anhaltend negativen Bereich, was auf einen stark gestörten arktischen Polarwirbel hindeutet. Quelle:
NOAA-Prognose (rote Linien in der oberen Grafik) für die Arktische Oszillation (AO) vom 4.1.2016 für die kommenden zwei Wochen. Die schwarzen Linien in beiden Grafiken stellen die gemessenen Werte dar. Die Prognose zeigt Anfang 2016 einen Absturz der AO-Werte in den anhaltend negativen Bereich, was auf einen anhaltend stark gestörten arktischen Polarwirbel hindeutet. Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/precip/CWlink/daily_ao_index/ao.shtml

Die Prognosen der Nordatlantischen Oszillation (NAO) gehen ebenfalls in den negativen Bereich, was auf eine Abschwächung der Westdrift über dem Nordatlantik und auf eine Meridionalisierung (Nord- Südausrichtung) des Polarjets hinweist:

NOAA-Prognose (rote Linien in der oberen Grafik) für die Arktische Oszillation (AO) vom 4.1.2016 für die kommenden zwei Wochen. Die schwarze Linie stellt die gemessenen Werte dar. Die Prognose zeigt Anfgang 2016 einen Absturz der AO-Werte in den anhaltend negativen Bereich, was auf einen stark gestörten arktischen Polarwirbel hindeutet. Quelle:
NOAA-Prognose (rote Linien in der oberen Grafik) für Nordatlantische Oszillation (NAO) vom 4.1.2016 für die kommenden zwei Wochen. Die schwarzen Linie in beiden Grafiken stellen die gemessenen Werte dar. Die Prognose zeigt Anfgang 2016 einen Rückgang der NAO-Werte in den anhaltend negativen Bereich, was auf eine Abschwächung der Westdrift und eine Meridionalisierung des Polarjets hinweist. Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/precip/CWlink/pna/nao.shtml

Bei Eintreffen dieser Rechnungen dürfte die aktuelle sehr milde NOAA/CFSv2-Prognose für den Januar 2016 in Europa bald weiter nach unten korrigiert werden,…

NOAA-CFSv2-Prognose der 2m-Temperaturabweichungen vom 4. Januar für den Januar 2016 in Europa. Die gelben und roten Farben stellen T-Abweichungen bis zu +3K in großen Teilen Mittel- und Westeuropas dar. Quelle:
NOAA-CFSv2-Prognose der 2m-Temperaturabweichungen vom 4. Januar für den Januar 2016 in Europa. Die gelben und roten Farben stellen T-Abweichungen bis zu +3K in großen Teilen Mittel- und Westeuropas dar. Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/CFSv2/htmls/euT2me3Mon.html

…, wie diese völlig überzogenen warmen Rechnungen von Ende Dezember 2015 für den Januar 2016 in Europa zeigen, die nun bereits bis zu -6 K z.B. über Nordskandinavien deutlich nach unten korrigiert wurden:

NOAA-CFSv2-Prognose der 2m-Temperaturabweichungen vom 4. Januar für den Januar 2016 in Europa. Die gelben und roten Farben stellen T-Abweichungen bis zu +3K in großen Teilen Mittel- und Westeuropas dar. Quelle:
NOAA-CFSv2-Prognose der 2m-Temperaturabweichungen von Ende Dezember für den Januar 2016 in Europa. Die gelben und roten Farben stellen T-Abweichungen bis zu +4 K in großen Teilen Mittel- und Westeuropas und von mehr als +4 K in Teilen Ost-und Nordeuropas dar. Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/CFSv2/htmls/euT2me3Mon.html

Update 10.1.2016: CFSv2 sieht nun wie erwartet einen deutlich kälteren Januar 2016 in Europa (zum Vergleich siehe die beiden oberen Grafiken): Aus einer „Hitzewelle“ ist eine „Kältewelle“ geworden…, bei der noch Luft nach unten ist…

Stark nach unten korrigierte NOAA-CFSv2-Prognose der 2m-Temperaturabweichungen vom 10. Januar für den Januar 2016 in Europa. Die blauen Farben stellen T-Abweichungen bis zu mehr als - 4K in großen Teilen Nord- und Osteuropas dar. Quelle:
Stark nach unten korrigierte NOAA-CFSv2-Prognose der 2m-Temperaturabweichungen vom 10. Januar für den Januar 2016 in Europa. Die blauen Farben stellen T-Abweichungen bis zu mehr als – 4K in großen Teilen Nord- und Osteuropas dar. Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/CFSv2/htmls/euT2me3Mon.html

Bei realistischer Betrachtung dürfte der Januar 2016 nicht nur in den Alpen und in den deutschen Mittelgebirgen neben milderen Einschüben wiederholt reichlich Schnee bringen, wie es hier im Oktober 2015 schon angedeutet wurde: Statistik: Milder Winter 2015/2016 in Mitteleuropa bei starkem El Niño?

„…Fazit: Diese – einseitige – El Niño-Statistik lässt einen durchschnittlich bis mild temperierten und niederschlags-/schneereichen Winter 2015/16 – nicht nur – in Deutschland erwarten.“

Update 10.1.2016: Der Winter kommt mit Macht: Der Polarwirbel macht ernst! Erhebliche Lawinengefahr in den Alpen

 

Herzlich euer

Schneefan2015

 

Verwandte Themen:

Eiswinter oder Mildwinter 2015/2016 in Europa?

Die Nordatlantik-Oszillation – die Lenkung der Winter

Schockierende Wetterwarnung: Kältester Winter seit 50 Jahren soll monatelange heftige Schneefälle und Kälte nach Großbritannien bringen!

Update: Sibirische Kälte auf dem Weg nach Europa? Modelle schon recht einig…

Keine neuen globalen Wärmerekorde im Jahr 2015 ! 2m-Daten auf Rang sechs – Satellitendaten auf Rang drei !

Globale Abkühlung: Der Nordatlantik steuert die globalen Temperaturen – Die AMO schaltet auf “KALT”!

Advertisements