Nach Hitzewelle kommt der Herbst zurück: Tropische „Schallplatte“ wird zum Islandtief!

Nach einer späten Hitzewelle Ende August 2016 in großen Teilen Europas bringt eine Tropische „Schallplatte“ auf ihrem Weg von Bermuda nach Island den Herbst zurück.

Als „Schallplatte“ werden Tropische Zyklonen (TC) bezeichnet, die wegen ihrer kreisrunden Form und der vielen engen Isobarenlinien wie die Tonträger des vorigen Jahrhunderts aussehen.

Die GFS-Prognose von heute sieht die „Schallplatte“ erstmals am 31.8.2016 unten links in der folgenden Grafik weit westlich der Azoren. Zwischen einem Grönlandhoch und einem Polartief strömt in breitem Strom hochreichende Polarluft nach Süden Richtung Nord-, West- und Mitteleuropa.

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Die GFS-Prognose vom 22.8.2016 zeigt unten links eine "Schallplatte", eine intensive kreisrunde Tropische Zyklone mit vielen engen Isobaren.
Die GFS-Prognose vom 22.8.2016 zeigt am 31.8.2016 unten links eine „Schallplatte“, eine intensive kreisrunde Tropische Zyklone mit vielen engen Isobaren. Zwischen einem Grönlandhoch und einem Polartief strömt in breitem Strom hochreichende Polarluft (grüne Farben) nach Süden in Richtung Nord-, West- und Mitteleuropa; sie  hat bereits Südnorwegen und Nordschottland erreicht. Über Deutschland erfolgt der Übergang von einer späten Hitzewelle in eine herbstlich kühle Wetterlage. Quelle: http://old.wetterzentrale.de/topkarten/fsavneur.html

Zum Monatswechsel August/September 2016 erfolgt nach dieser GFS-Prognose die Umstellung der Großwetterlage von einer späten Hitzewelle in eine erneute herbstlich kühle Witterungsphase.

Dabei unterstützt die „Schallplatte“ auf ihrem langsamen Weg nach Nordosten Richtung Island durch Heranführen subtropisch warmer Luftmassen auf ihrer Vorder- (Ost-) Seite die Verlagerung des Azorenhochs in den nördlichen Mittelatlantik, wobei die meridionale Lage des Hochs die Zufuhr polarer Luftmassen nach Europa verstärkt.

Die GFS-Prognose vom 22.8.2016 zeigt die "Schallplatte"auf ihrem langsamen Weg Richtung Island. Auf ihrer Vorderseite (Ostseite) hat sie durch Warmluftadvektion das Azorenhoch in den mittleren Nordatlantik und in eine meridionale Lage gebracht, wodurch der Vorstoß polarer Luftmassen (grüne Farben) nach Europa verstärkt. Quelle: wie vor
Die GFS-Prognose vom 22.8.2016 zeigt die „Schallplatte“ auf ihrem langsamen Weg Richtung Island. Auf ihrer Vorderseite (Ostseite) hat sie durch Warmluftadvektion das Azorenhoch in den mittleren Nordatlantik und in eine meridionale (Nord/Süd) Lage gebracht, wodurch der Vorstoß polarer Luftmassen (grüne Farben) nach Europa verstärk wird. Quelle: wie vor

Bereits am 4.9.2016 hat die ehemalige „Schallplatte“ das Seegebiet südwestlich von Island erreicht und ist nun ein „stinknormales“ extratropisches Islandtief mit einem kalten Kern. Die hochreichende Polarluft hat Mitteleuropa überflutet, erste Bodenfröste im September sind möglich.

Die GFS-Prognose vom 22.8.2016 zeigt die ehemalige "Schallplatte" südwestlich von Island als extratropisches Islandtief mit einem kalten Kern (grüne Farbe). Auf der Ostseite des Hochs über Großbritannien hat hochreichende Polarluft (gelbe Farben) Mitgteleuropa geflutet. Quelle: wie vor
Die GFS-Prognose vom 22.8.2016 zeigt die ehemalige „Schallplatte“ am 4.9.2016 südwestlich von Island als extratropisches Islandtief mit einem kalten Kern (grüne Farbe). Auf der Ostseite des Hochs über Großbritannien hat hochreichende Polarluft (gelbe Farben) Mitteleuropa geflutet. Quelle: wie vor

Die GFS-Prognose für Tiefsttemperaturen (Tmin) in der Nacht zum 5.9.2016 sieht folgerichtig unter Hochdruckeinfluss bei 2m-Temperaturen um 1°C vor allem in Süddeutschland verbreitet die Gefahr von Bodenfrost.

Die GFS-Prognose für die Tmin (2m) vom 22.8.2016 für die Nacht zum 5.9.2016. Bei Temperaturen um 1°C ist vor allm in Süddeutschland verbreitet mit Bodenfrost zu rechnen. Quelle: woe vor
Die GFS-Prognose für die Tmin (2m) vom 22.8.2016 für die Nacht zum 5.9.2016. Bei Temperaturen um 1°C ist unter Hochdruckeinfluss und klarem Himmel vor allem in Süddeutschland verbreitet mit Bodenfrost zu rechnen. Quelle: wie vor

Mit dem Auftreten ehemaliger Tropischer Zyklonen (TC) vor den Küsten Europas, bei denen es sich neben Tropischen Tiefs (TD) oder Tropischen Stürmen (TS) auch um Ex-Hurrikane (H) handeln kann, erfolgt regelmäßig die Umstellung der Großwetterlage vom Sommer zum Herbst.

Der Höhepunkt der jährlichen Hurrikansaison von Juni bis November im Nordatlantik liegt im September, bisher gab es keinen einzigen Hurrikan in der Saison 2016, wenn man vom kurzlebigen und schwachen Earl 05L (Aug) vor und über Mexiko Anfang August 2016 absieht.

Update 23.8.2016: Die „Schallplatte“ könnte TS GASTON sein, der sich noch heute auf dem Weg nach Bermuda zum ersten Hurrikan der Saison 2016 entwickeln soll. UPDATE ENDE.

Ursache dieser herbstlichen Umstellung der Großwetterlage sind die zunehmenden Temperaturgegensätze (Gradienten) zwischen den noch sommerlich warmen Meeren der Subtropen und dem bereits Ende August einsetzenden Polarwinter mit Dauerfrost nördlich des 80°N, der in diesem Jahr bereits eine Woche früher als im vieljährigen Durchschnitt begonnen hat: Arktis: Polarwinter mit Dauerfrost hat frühzeitig begonnen – Dicke Eisflächen haben sich in vier Jahren verdreifacht!

Die Grafik des dänischen Wetterdienstes (DMI) zeigt den Verlauf der täglichen Durchschnittsremperaturen der Arktis (rote Lnie) nördlich 80°N im Jahr 2016 im Vergleich zum vieljährigen Durchschnitt (grüne Linie). Aktuell liegen die Duchrschnittstemperaruren bei -1°C (272 Kelvin) und damit eine Woche früher als normal unter dem vieljährigen Durchschnitt 1958-2002. Quelle:
Die Grafik des dänischen Wetterdienstes (DMI) zeigt den Verlauf der täglichen Durchschnittstemperaturen der Arktis (rote Linie) nördlich 80°N im Jahr 2016 bis Mitte August im Vergleich zum vieljährigen Durchschnitt (grüne Linie). Aktuell liegen die Durchschnittstemperaruren mit -1°C (272 Kelvin) unter dem vieljährigen Durchschnitt 1958-2002 und damit eine Woche früher als normal im Frostbereich (blaue Linie). Quelle: http://ocean.dmi.dk/arctic/meant80n.uk.php

Zu der Abkühlung der bodenenahen Luftschichten in der Arktis kommt die Abkühlung der Stratosphäre durch den abnehmenden Sonnenstand: Der arktische winterliche  Polarwirbel erwacht.

Die Stratospärenprognosen von ECMWF für 150 hPa (rund 13 km Höhe, untere Stratosphäre) vom 21.8.2016 sehen einen für diese Jahreszeit kräftigen arktischen Polarwirbel mit Zentrum über dem russischen Teil des Polarmeeres am 31.8.2016. Zum Monatswechsel August/September 2016 liegt ein kalter Trog des Polarwirbels über Mitteleuropa und unterstützt damit die GFS-Prognosen für einen Luftmassenwechsel von Sommer zu Herbst.

Die ECMWF-Prognose vom 21.8. 2016 für das Geopotential (Luftdruck) in 150 hPa (rund 13 km Höhe, untere Stratosphäre) Der Polarwirbel ist für diese Jahreszeit ungewöhnlich kräftig und weit nach Süden ausgedehnt. Ein kräftiger kalter Trog des Polarwirbels (Rossbywellental) liegt über Mitteleuropa und führt herbstlich kühle Polarluft heran. Quelle: http://www.geo.fu-berlin.de/met/ag/strat/produkte/winterdiagnostics/index.html
Die ECMWF-Prognose vom 21.8. 2016 für das Geopotential (Luftdruck) in 150 hPa (rund 13 km Höhe, untere Stratosphäre) am 31.8.2016. Der Polarwirbel ist für diese Jahreszeit ungewöhnlich kräftig und weit nach Süden ausgedehnt. Ein kräftiger kalter Trog des Polarwirbels (Rossbywellental) liegt über Mitteleuropa und führt herbstlich kühle Polarluft heran. Quelle: http://www.geo.fu-berlin.de/met/ag/strat/produkte/winterdiagnostics/index.html

Der August 2016 ist in Deutschland aktuell bis einschließlich 21.8.2016 um knapp -1°C zu kalt (also DWD-warm), diese Woche dürfte das Temperaturmittel allerdings bis auf Werte um oder leicht über das international übliche und von der WMO empfohlene moderne Klimamittel 1981-2010 anheben.

Die Grafik von Bernd Hussing zeigt die Abweichungen der Temperaturen in Deutschland vom 1. bis 22. August 2016 zum veralteten (kälteren) Klimamittel 1961-1990 von 0,06 K. Zum modernen (milderen) WMO-Klimamittel 1981-2010 beträgt die Abweichung -0,94 K. Quelle: http://imkhp2.physik.uni-karlsruhe.de/wetterwerte.html
Die Grafik von Bernd Hussing zeigt die Abweichungen der Temperaturen in Deutschland vom 1. bis 22. August 2016 (Update 23.8.) zum veralteten (kälteren) Klimamittel 1961-1990 von 0,06 K. Zum modernen (milderen) WMO-Klimamittel 1981-2010 beträgt die Abweichung -0,94 K (Update 23.8.2016). Quelle: http://imkhp2.physik.uni-karlsruhe.de/wetterwerte.html

Update 24.8.2016: Die ersten drei Augustwochen 2016 sind in großen Teilen Europas unterkühlt, wie die NOAA-Reanalyse zeigt:

Die NOAA-Reanalyse der Abweichungen der 2m-Temperaturen vom international üblichen und von der WMO empfohlenen modernen Klimamittel 1981-2010 zeigt große Teile Europas vom 1. bis 21. August 2016 unterkühlt (blaue Farben). Quelle:
Die NOAA-Reanalyse der Abweichungen der 2m-Temperaturen vom international üblichen und von der WMO empfohlenen modernen Klimamittel 1981-2010 zeigt große Teile Europas vom 1. bis 21. August 2016 unterkühlt (blaue Farben). Quelle: http://www.esrl.noaa.gov/psd/data/composites/day/

Herzlich euer

Schneefan2015

 

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