Im zentralen äquatorialen Pazifik (CP) zeigen die Meerestemperaturen eine erstaunliche Abkühlung.
Während die Mehrzahl der ENSO-Modelle wie schon im Februar 2017 noch immer die Entwicklung eines global wärmenden El Niño ansagt, entwickelt sich dort derzeit ein kaltes Temperaturmuster, das so ähnlich aussieht wie die global kühlende La Niña, es aber nicht ist: La Niña Modoki. Modoki ist japanisch für ‚ähnlich, aber verschieden‘.
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Die nachfolgende Grafik zeigt die Abkoppelung der kalten Seegebiete Nino 1 und 2 sowie den östlichen Teil von Nino 3 östlich vom maßgeblichen Niño-Gebiet 3.4 von Anfang Januar 2017 über den Februar bis Anfang März 2017 und damit die Wandlung von einer („normalen“) East Pacific (EP)-La Niña zu einer Central Pacific (CP)-La Niña Modoki.

Was bedeutet diese Entwicklung für die regionalen (Walker-Zirkulation) und globalen (Planetarische Zirkulation) Atmosphärenmuster?
„Die Auswirkungen der CP-La Niña sind verschieden von denen der traditionellen EP-La Niña. Beispielsweise führt die ’neue‘ La Niña eher zu einer Niederschlagszunahme über NW-Australien und im nördlichen Murray-Darling-Becken, als im Osten Australiens wie bei einer konventionellen La Niña (Cai 2009). Auch verstärkt die Modoki-La Niña die Häufigkeit von Zyklonen über der Bucht von Bengalen, aber reduziert das Auftreten von starken Stürmen über dem Indik (RameshKumar 2014).“
Die großflächigen Veränderungen der ENSO-Bedingungen in der ganzjährig einstrahlungsreichen Tropenregion des äquatorialen Pazifiks wirken über den Tiefdruckgürtel der Innertropische Konvergenzzone (ITC) auf die angrenzenden Subtropenhochs der Hadleyzellen, die Tiefdruckzonen der Ferrelzellen und sogar auf die Polarzellen über die Subtropenjetstreams und die Polarjetstreams ein.

Eine andere schematische Sicht auf die planetare Luftzirkulation einer Erdhälfte in der Troposphäre veranschaulicht stark vereinfacht die Abläufe.

Kurz gesagt: Durch Änderungen der El Niño-Southern Oscillation (ENSO)-Verhältnisse werden über Telekonnektionen (Fernwirkungen) weltweite Wetteränderungen ausgelöst.
Ein aktuelles Beispiel sind die regelmäßig in der Folge von El Niño verstärkten Niederschläge im bevölkerungsreichsten und eigentlich trockenen US-Sonnenstaat Kalifornien, wo ein Ast des Polarjets verstärkt vom Pazifik her niederschlagsreiche Tiefdruckgebiete weiter südlich ausgreifen lässt als normal.
2. Höchster Staudamm der USA droht zu bersten! 188.000 Menschen in Kalifornien evakuiert!
3. Kaliforniens größte Stauseen sind gut gefüllt – El Niño war fleißig!
Die unvorstellbar hohen Niederschlagsmengen der letzten Monate in Kalifornien mit über zehn Meter Rekordschnee in den Bergen und Skigebieten Kaliforniens zeigt der folgende Plot:

Die Niederschlagsmengen im Einzugsbereich des Lake Oroville liegen Anfang März 2017 bereits deutlich höher als im gesamtem Wasserwirtschaftsjahr 2015/16, dass am 1.10.2015 begann und am 30.9.2016 endete.

Welche Auswirkungen La Niña Modoki regional und global über die Telekonnektionen haben wird, ist leider hinreichend unbestimmt…
Man darf aber annehmen, dass es eher die zeitversetzt global kühlenden Wirkungen von La Niña als die global wärmenden Wirkungen von El Niño sein werden…
Herzlich euer
Schneefan2015
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