Von La Niña zu La Niña-Modoki? ENSO-Update März 2017

Im zentralen äquatorialen Pazifik (CP) zeigen die Meerestemperaturen eine erstaunliche Abkühlung.

Während die Mehrzahl der ENSO-Modelle wie schon im Februar 2017 noch immer die Entwicklung eines global wärmenden El Niño ansagt, entwickelt sich dort derzeit ein kaltes Temperaturmuster, das so ähnlich aussieht wie die global kühlende La Niña, es aber nicht ist: La Niña Modoki. Modoki ist japanisch für ‚ähnlich, aber verschieden‘.

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Im äquatorialen Pazifik zeigen sich zunehmend unterkühlte Meeresoberflächen (blaue Farben) zwischen etwa 125° West und der Datumsgrenze bei 180°. Östlich von 125°W bis Peru sind die SSTA positiv (orange/gelbe Farben). Im Gegensatz zu La Niña im Niño-Gebiet 3.4 und östlich davon (EP-La Niña) tritt die Abkühlung der Meeresoberflächen (nur) im zentralen Pazifik auf (CP-La Niña oder La Niña Modoki). Mal sehen, ob El Niño wirklich kommt…Quelle: http://weather.unisys.com/surface/sfc_daily.php?plot=ssa&inv=0&t=cur

Die nachfolgende Grafik zeigt die Abkoppelung der kalten Seegebiete Nino 1 und 2 sowie den östlichen Teil von Nino 3 östlich vom maßgeblichen Niño-Gebiet 3.4 von Anfang Januar 2017 über den Februar bis Anfang März 2017 und damit die Wandlung von einer („normalen“) East Pacific (EP)-La Niña zu einer Central Pacific (CP)-La Niña Modoki.

Der Vergleich der SSTA im äquatorialen Pazifik von links nach rechts von Anfang Januar 2017 bis Anfang März 2017. Während sich die unterkühlten (blauen) Flächen Anfang Januar 2017 noch fast durchgehend von Peru (Ostpazifik/EP) bis in den zentralen Pazifik (CP) erstrecken (La Niña-Muster), sind die östlichen Bereiche bereits Anfang Februar deutlich erwärmt und Anfang März 2017 ohne kalte Abweichungen, während die Mitte weiter abgekühlt ist (La Niña Modoki). Quelle: http://weather.unisys.com/archive/sst/

Was bedeutet diese Entwicklung für die regionalen (Walker-Zirkulation) und globalen (Planetarische Zirkulation) Atmosphärenmuster?

„Die Auswirkungen der CP-La Niña sind verschieden von denen der traditionellen EP-La Niña. Beispielsweise führt die ’neue‘ La Niña eher zu einer Niederschlagszunahme über NW-Australien und im nördlichen Murray-Darling-Becken, als im Osten Australiens wie bei einer konventionellen La Niña (Cai 2009). Auch verstärkt die Modoki-La Niña die Häufigkeit von Zyklonen über der Bucht von Bengalen, aber reduziert das Auftreten von starken Stürmen über dem Indik (RameshKumar 2014).“

Die großflächigen Veränderungen der ENSO-Bedingungen in der ganzjährig einstrahlungsreichen Tropenregion des äquatorialen Pazifiks wirken über den Tiefdruckgürtel der Innertropische Konvergenzzone (ITC) auf die angrenzenden Subtropenhochs der Hadleyzellen, die Tiefdruckzonen der Ferrelzellen und sogar auf die Polarzellen über die Subtropenjetstreams und die Polarjetstreams ein.

Die Grafik zeigt die schematische atmosphärische planetarische Zirkulation in der Troposphäre der Erde. Die ganzjährig hohe Energiezufuhr von der Sonne erzeugt in Äquatornähe durch Auftrieb einen Tiefdruckgürtel (ITC). Die aufsteigenden warmen Luftmassen werden polwärts abgeführt und sinken abkühlt zur Oberfläche zurück (Subtropenhochs/Hadleyzellen). Die abgekühlen Luftmassen werden teilweise als Passatwinde wieder zum Äquator zurückgeführt. Ein anderer Teil der Luftmassen gelangt weiter polwärts in die kräftigen Westwindzonen (Ferrelzellen, Islandtief/Aleutentief , in denen es einen Austausch zwischen subtropischen (Subtropenjet) und polaren Luftmassen (Polarjet, Polarzellen) kommt. Quelle: Planetarische Zirkulation

Eine andere schematische Sicht auf die planetare Luftzirkulation einer Erdhälfte in der Troposphäre veranschaulicht stark vereinfacht die Abläufe.

Die Grafik zeigt die stark vereinfachte schematische atmosphärische planetarische Zirkulation in der Troposphäre der Erde. Die ganzjährig hohe Energiezufuhr von der Sonne erzeugt in Äquatornähe durch Auftrieb einen Tiefdruckgürtel (ITC). Die aufsteigenden warmen Luftmassen werden polwärts abgeführt und sinken abkühlt zur Oberfläche zurück (Subtropenhochs/Hadleyzellen). Die abgekühlen Luftmassen werden teilweise als Passatwinde wieder zum Äquator zurückgeführt. Ein anderer Teil der Luftmassen gelangt weiter polwärts in die kräftigen hochreichenden Westwindzonen (Frontalzone, Ferrelzellen, Islandtief/Aleutentief) , in denen es zu einem Austausch zwischen subtropischen (Subtropenjet) und polaren Luftmassen (Polarjet, Polarzellen) kommt. Quelle: Ferrel-Zelle

Kurz gesagt: Durch Änderungen der El Niño-Southern Oscillation (ENSO)-Verhältnisse werden über Telekonnektionen (Fernwirkungen) weltweite Wetteränderungen ausgelöst.

Ein aktuelles Beispiel sind die regelmäßig in der Folge von El Niño verstärkten Niederschläge im bevölkerungsreichsten und eigentlich trockenen US-Sonnenstaat Kalifornien, wo ein Ast des Polarjets verstärkt vom Pazifik her niederschlagsreiche Tiefdruckgebiete weiter südlich ausgreifen lässt als normal.

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Die unvorstellbar hohen Niederschlagsmengen der letzten Monate in Kalifornien mit über zehn Meter Rekordschnee in den Bergen und Skigebieten Kaliforniens zeigt der folgende Plot:

Die Grafik zeigt die unglaublich hohen Niederschlagsmengen bis zu 300 Prozent vom Klimamittel von Anfang Oktober 2016 bis Anfang März 2017 in Kalifornien/USA. Quelle: http://www.calclim.dri.edu/

Die Niederschlagsmengen im Einzugsbereich des Lake Oroville liegen Anfang März 2017 bereits deutlich höher als im gesamtem Wasserwirtschaftsjahr 2015/16, dass am 1.10.2015 begann und am 30.9.2016 endete.

Der Plot zeigt die täglich akkumulierten (angesammelten) Niederschlagsmengen in inch (1 Inch = 25,4 mm) vom 1.10.2016 bis zum 9. März 2017 bei 39 Inch (990 mm). Bereits im Februar 2017 wurde der Endstand des gesamten Wasserwirtschaftsjahres 2015/16 von 31 Inch (787 mm) am 30.9.2016 erreicht und überschritten. Jedes Jahr am 1.10. beginnt das neue Wasserwirtschaftsjahr bei NULL neu. Quelle: http://cdec.water.ca.gov/cgi-progs/stationInfo?station_id=ORO

Welche Auswirkungen La Niña Modoki regional und global über die Telekonnektionen haben wird, ist leider hinreichend unbestimmt…

Man darf aber annehmen, dass es eher die zeitversetzt global kühlenden Wirkungen von La Niña als die global wärmenden Wirkungen von El Niño sein werden…

 

Herzlich euer

Schneefan2015

 

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