Schwere Überschwemmungen in Peru: Es ist nicht El Niño, es ist La Niña-Modoki!

UPDATE 21.3.2017 – Fotostrecke: Katastrophale Fluten in Peru!

Zum Vergrößern anklicken: Screenshot der WO-Meldung vom 20.3.2017: Leider sind auch die „Experten“ von WO auf die Falschmeldungen von dpa hereingefallen: Es ist nicht El Niño, es ist La Niña-Modoki! Quelle: wie oben

Die seit Ende Januar 2017 wiederholten schweren Überschwemmungen und Erdrutsche in Peru werden in den Medien einem Wetterphänomen angelastet, das seit Mitte 2016 nicht mehr existiert: El Niño. Peru: Überschwemmungen sorgen für Chaos in Lima | ZEIT ONLINE

„Unwetter haben in der peruanischen Millionenstadt die Flüsse über die Ufer treten lassen. In anderen Landesteilen sind Tausende Menschen von der Außenwelt abgeschnitten.  

Die Auswirkungen des Wetterphänomens El Niño werden einmal mehr sichtbar, dieses Mal in Perus Hauptstadt…“

Das ist aus meteorologischer Sicht völliger Unsinn! Der kräftige El Niño 2015/16 ist seit NH-Sommer 2016 tot!

Das global wärmende Wetterphänomen El Niño gab es nach der ONI-Definition der amerikanischen Wetterbehörde NOAA von Ende 2014 bis Mitte 2016. Weltweite Telekonnektionen können noch mehrere Monate nachwirken, aber nicht über ein halbes Jahr hinaus.

Bereits ab NH-Sommer 2016 folgte das global kühlende ENSO-Ereignis La Niña, das mit dem Dreimonatswert NDJ bis Anfang 2017 andauerte, wie die NOAA-Tabelle zeigt.

(zum Vergrößern anklicken)

Die NOAA-Tabelle zeigt die durchschnittlichen Dreimonatswerte im maßgeblichen Niño-Gebiet 3.4 im äquatorialen Pazifik. Rote Zahlen stehen für warme El Niño-Ereignisse, blaue Zahlen für kalte La Niña-Ereignisse. Die übrigen Zahlen zeigen neutrale ENSO-Verhältnisse. Der Wert -0,4 für Dezember/Januar/Februar (DJF) verpasst nur knapp den Mindestwert von -0,5 für La Niña-Bedingungen. Quelle: Historical El Nino/ La Nina episodes (1950-present)

Vor einigen Wochen hat sich das offensichtlich in den Redaktionen der Mainstream-Medien weniger bekannte ENSO-Phänomen La Niña-Modoki entwickelt, das vor der Küste Perus ebenfalls warmes Meerwasser mit höherer Verdunstung und verstärkten Niederschlägen zur Folge hat.

Im äquatorialen Pazifik zeigen sich am 8.3.2017 zunehmend unterkühlte Meeresoberflächen (blaue Farben) zwischen etwa 125° West und der Datumsgrenze bei 180°: La Niña-Modoki. Östlich von 125°W bis Peru sind die SSTA positiv (orange/gelbe Farben). Deshalb wird dieses Muster auch Central Pacific (CP) La Nina oder Datumsgrenzen-La Nina genannt im Gegensatz zur „normalen“ Eastern Pacific (EP) La Nina. Quelle: http://weather.unisys.com/surface/sfc_daily.php?plot=ssa&inv=0&t=cur

Zum Vergleich das kräftige El Niño-Muster mit durchgehend warmen Farben von Peru bis über die Datumsgrenze bei 180°.

Finde den Unterschied!

El Niño-Muster am 29.11.2015 mit positiven Abweichungen der Meeresoberflächentemperaturen (kräftiges gelb/orange) im äquatorialen Pazifik von Peru bis weit nach Westen: DAS ist ein El Niño! Quelle: http://weather.unisys.com/archive/sst/

Das Muster der Wärmeabstrahlung im Infrarotbereich (OLR=Outgoing Longwave Radiation) über dem äquatorialen Pazifik gibt Aufschluss über die herrschende Walker-Zirkulation und die Position wolkenarmer Hochdruckgebiete (cloudiness).

Die seit NH-Sommer 2016 durchgehend wolkenarmen Gebiete weisen auf ein Andauern der global kühlenden Niña-Bedingungen in der Atmosphäre hin.

Der Plot zeigt die ausgehende Wärmstrahlung (OLR)  im äquatorialen Pazifik von 7,5N-7,5S und 170W-170O. Von NH-Sommer 2016 bis Mitte März 2017 herrscht wolkenarmes abstrahlungsreiches Wetter (gelbe Farben): La Niña-Muster. Quelle: http://www.bom.gov.au/climate/enso/#tabs=Cloudiness

Auch der Multivariate ENSO Index (MEI) als gekoppeltes Atmosphäre-/Ozeanmodell für den äquatorialen Pazifik liegt mit seinen Kriterien nach kurzen La Niña-Bedingungen im NH-Herbst 2016  bereits im NH-Winter 2016/17 wieder im negativ-neutralen Bereich,  zeigt aber bis Februar 2017 keinerlei Tendenzen in Richtung El Niño.

Der MEI-Plot zeigt die Doppelmonatswerte 2015-2017 für Januar/Februar 2017 mit -0,06 knapp im negativen neutralen Bereich. Zum Vergleich sind ähnliche Jahre eingezeichnet. Ob sich die neutralen Verhältnisse halten oder ob es in Richtung eines schwachen El Niño -also deutlich über Null – geht, ist vor alllem in den Monaten Februar bis Mai jeden Jahres besonder schwer vorherzusagen (Frühlingsbarriere). Quelle: https://www.esrl.noaa.gov/psd/enso/mei/

Wir können also festhalten: Weder das Muster der Meeresoberflächen (SSTA) oder der Atmosphäre im äquatorialen Pazifik  (Walker-Zirkulation) noch der gekoppelte Ozean-/Atmosphäre-Index MEI weisen derzeit auf das ENSO-Phänomen El Niño hin.

Es herrschen ähnliche, aber etwas verschiedene Verhältnisse wie bei La Niña, die ich hier schon beschrieben hatte: Von La Niña zu La Niña-Modoki? ENSO-Update März 2017

Bei La Niña verstärken sich besonders im Februar und im März die Niederschläge über Peru.

Bei La Niña-Bedingungen verstärken sich die Niederschläge (wetter=nasser) in Peru im Februar und im März. Quelle: Das ENSO-Phänomen » Globale Auswirkungen

Für Interessierte auch hier leicht verständlich: Das ENSO-Phänomen » ENSO im Überblick

Man könnte natürlich auch in einem anderen Zusammenhang mal über verstärkte Wolkenbildung mit verstärkten Niederschlägen nachdenken…: Absturz der Sonnenaktivität Anfang März 2017!

Nachtrag: Am 21.3.2017 meldet die Süddeutsche Zeitung unter „Direkt aus dem dpa-Newskanal„: Unwetter Peru kämpft gegen Fluten – Präsident: Klimawandel schuld offenbar ungeprüft folgenden Unsinn:

„…Die Unwetter gehen nach Meinung von Wissenschaftlern auf das Klimaphänomen des „Küsten-El-Niño“ zurück, der bisher räumlich begrenzt ist. Das Meereswasser vor der Küste ist um fünf Grad wärmer als normalerweise um diese Jahreszeit üblich….“ (Fett von mir)

Abgesehen davon, dass es in der Wissenschaft keinen „Küsten-El-Niño“ gibt und alle ENSO-Ereignisse wie El Niño, La Niña und ihre Modoki-Formen Wetterphänomene und keine Klimaphänomene sind und schon deshalb auch nichts mit irgendeinem Klimawandel zu tun haben können, lassen sich die Temperaturangaben mühelos –  auch durch jede Redaktion – als völlig übertrieben beweisen: Das Meer vor der Küste Perus im  Nino-Gebiet 1 weist nur Temperaturen um zwei Grad Celsius über dem Durchschnitt für diese Jahreszeit aus.

Der Plot des australischen Wetterdienstes BOM zeigt von Mitte 2012 bis März 2017 die Abweichungen der Meersoberflächentemperaturen (SSTA) im Nino-Gebiet 1, das unmittelbar vor der Küste Perus liegt. Der Wochendurchschnitt liegt am 19.3.2017 bei 2,0 K (°C) Abweichung. Zu keinem Zeitpunkt der letzten Jahre lagen die Abweichungen höher als 2,3 K. Abweichungen bis zu fünf Grad sind frei erfunden, um menschliche Unzulänglichkeiten zu vertuschen. Quelle: http://www.bom.gov.au/climate/enso/#tabs=Sea-surface

Da stellt sich doch die Frage, ob man bei dpa – und in kritiklos übernehmenden Redaktionen – überhaupt keine Ahnung hat oder von Klimaaktivisten kontaminiert ist…

Letzte Meldung: Klimakonferenz vom Herbst 2016 in Paris ist in Deutschland im Frühling 2017 zur Makulatur geworden – G-20 Gipfel in Baden-Baden streicht Klimawandel aus Communique: Ein Sieg der Vernunft!

 

Herzlich euer

Schneefan2015

 

Verwandte Themen:

La Niña geht! Kommt El Niño schon wieder? ENSO-Update Februar 2017

Oroville-Stausee aktuell: Täglicher Zuwachs um 6,4 Millionen Kubikmeter! Tägliche Reparaturkosten bei 4,7 Mill. US-Dollar

La Niña wächst – Modelle weiter unsicher: ENSO-Update Oktober 2016

La Niña wird stärker – und NOAA hat es nicht bemerkt: ENSO-Update September 2016

La Niña ist da – ENSO-Modelle völlig uneinig über den weiteren Verlauf: ENSO-Update August 2016

La Niña kommt: Die Erde kühlt ab! ENSO-Update Juli 2016

Wie „warm“ wird das Jahr 2016? NOAA/CFSv2 korrigiert ENSO-Prognose stark nach unten!

ENSO-Modelle: La Niña kommt im zweiten Halbjahr 2016

Advertisements