Wie wird die Hurrikansaison 2017 im Nordatlantik? NOAA: Überdurchschnittlich! Forscher: Eher unterdurchschnittlich!

Die amerikanische Wetterbehörde NOAA erwartet in der Mai-Prognose überdurchschnittliche Hurrikanaktivitäten vom 1. Juni bis zum 30. November 2017 im Nordatlantik einschließlich des Amerikanischen Mittelmeeres (Karibik und Golf von Mexiko).

„…For the upcoming Atlantic hurricane season, which runs from June 1 through November 30, forecasters predict a 45 percent chance of an above-normal season, a 35 percent chance of a near-normal season, and only a 20 percent chance of a below-normal season…“

Die NOAA-Grafik vom 25.5.2017 zeigt die Wahrscheinlichkeiten für die Hurrikansaison vom 1.6. bis 30.11.2017 im Nordatlantik einschließlich Karibik und Golf von Mexiko (Amerikanisches Mittelmeer) an. Quelle: NOAA Climate Prediction Center Outlook for the 2017 Hurricane Season

Die beiden amerikanischen Hurrikan-Forscher Klotzbach und Bell sahen dagegen in ihrer April-Prognose eine eher etwas unterdurchschnittliche Hurrikan-Saison 2017.

„…We anticipate that the 2017 hurricane season will have about as much activity as the average of our five analog years. We believe that this season should experience slightly below average activity…“

Die Hurrikanforscher geben als Gründe für ihre Einschätzung vor allem erwartete schwache El-Niño-Bedingungen im äquatorialen Pazifik sowie die kühlen Temperaturen der Meeresoberflächen (SST) im tropischen und im nördlichen Nordatlantik Ende März 2017 an:

„…There is the potential for shear-enhancing El Niño conditions to develop over the next several months. The tropical Atlantic has cooled over the past month, and the far North Atlantic is currently colder than normal. These cold anomalies tend to force atmospheric conditions that are less conducive for Atlantic hurricane formation and intensification…“

 

Durch die (im April 2017) erwarteten El-Niño-Bedingungen im zweiten Halbjahr 2017 werde das Potential zur vertikalen Windscherung begünstigt, was wiederum die Entstehung und Entwicklung Tropischer Cyclone bis hin zu Hurrikans hemmt.

Zudem habe sich der tropische Nordatlantik in den letzten Monaten abgekühlt und der nördliche Nordatlantik ist kälter als normal. Diese kalten Anomalien begünstigen ebenfalls atmosphärische Bedingungen, die weniger günstig für Bildung und Verstärkung von Hurrikanen sind.

Diese  Prognose einer eher unterdurchschnittlichen Hurrikansaison 2017 ist vor allem deshalb erstaunlich, weil gerade dieses Hurrikanforscherteam (damals noch Klotzbach und Gray, der 2016 verstarb) noch für das Jahr 2013 mit ihrer weit übertrieben starken Hurrikanprognose völlig daneben lagen und dies auch schon im November 2013 freimütig einräumten: Summary of 2013 Atlantic Tropical Cyclone Activity and Verification of Author’s Seasonal and Two-Week Forecasts

„…The 2013 Atlantic hurricane season was much quieter than predicted in our seasonal outlooks…“

Noch weiter hatte sich 2013 die amerikanische Wetterbehörde NOAA aus dem Fenster gelehnt und gar eine „very active season“ in Aussicht gestellt:

NOAA Hurrikan-Prognose 2013
NOAA Hurrikan-Prognose 2013

Tatsächlich wurde im Jahr 2013 die schwächste Hurrikanaktivität in ACE seit 1983 gemessen, was allerdings nicht völlig unvorhersehbar war: Golf von Mexiko stark unterkühlt – Hurrikan-Saison 2013 eher schwach? (Das WO-Forum wurde am 1.9.2016 geschlossen, deshalb als Kopie hier)

20.05.2013

Golf von Mexiko stark unterkühlt – Hurrikan-Saison 2013 eher schwach?

Der Golf von Mexiko – die „Quelle“ des Golfstroms – ist derzeit stark unterkühlt:

Quelle: http://weather.unisys.com/surface/sf…sn&inv=0&t=cur

Dazu diese aktuellen Plots mit den Golf-Daten seit 1854 zur klimatischen Einordnung:

Quelle: Hurricane Main Development Region Sea Surface Temperatures & Anomalies – Plus a Couple of Other Regions

Die gebietsweise ungewöhnlich niedrigen Oberflächentemperaturen (SST) sind derzeit der Entwicklung von Hurricanes nicht förderlich, die bekanntlich große Wasserflächen mit SST oberhalb von 26°C zu ihrer Entstehung benötigen.

Quelle: http://weather.unisys.com/surface/sf…=0&t=cur&inv=0

Die Hurrikan-Saison im Nordatlantik beginnt am 1.6.2013, und die SST in der Geburtsstätte im Seegebiet des tropischen Nordatlantiks (TNA) westlich von Afrika zeigen allerdings derzeit im Gegensatz zum Golf von Mexiko überdurchschittliche SST, so dass von dort ein „normaler“ Start der „Tropical waves“ zu erwarten ist…
Ob die sich dann allerdings auf der bisher eher unterkühlten Zugbahn nach Westen zu Hurricanes entwickeln können, bleibt abzuwarten…Extended Range Forecast of Atlantic Seasonal Hurricane Activity and Landfall Strike Probability for 2013 – PDF Format

Schönen Tag
Schneefan“

Mit einem über die Saison 2013 angesammelten Gesamtwert der Hurrikan-Energie (ACE) von 31,42 von durchschnittlich 102 lag das Jahr 2013 auf Rang fünf der schwächsten Hurrikanaktivitäten seit Beginn der Messungen 1972: Sorted List

Schauen wir uns nun aber mal gemeinsam die von Klotzbach und Bell im April 2017 genannten Hauptargumente für eine eher etwas schwächere Hurrikansaison 2017 an, die man teilen kann…, oder auch nicht.

1. Das El Niño-Ereignis (event) im Niño-Gebiet 3.4 kommt voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2017 nicht, denn selbst NOAA hat seine monatelangen  El Niño-Prognosen ab Mai 2017 Ende April zurückgezogen: Kommt er oder kommt er nicht? Modelle und El Niño – zwei Welten voller Gegensätze! ENSO-Update Mai 2017

El Niño-Bedingungen im äquatorialen Pazifik führen – auch – zu  Veränderungen im Zirkulationsmuster der Jetstreams (Polarjet und Subtropenjet) über dem Nordatlantik und schwächen die Entstehung und Entwicklung Tropischer Zyklone (TC).

2. Die SSTA (Sea Surface Temperature Anomaly) im Nordatlantik haben sich Ende Mai 2017 gegenüber Ende März 2017 (Prognosegrundlage für Klotzbach/Bell) deutlich verändert, wie der Vergleich zeigt:

Die NOAA-Reanalyse der Abweichungen der Meeresoberflächentemperaturen (SSTA) im Norddatlantik im Vergleich von Ende Mai 2017 (links) und zur Prognosegrundlage Ende März 2017 (rechts). Während vor allem der mittlere Nordatlantik Ende Mai gegenüber März 2017 kräftig abgekühlt ist, sind die für die Entstehung von TC maßgeblichen Gebiete im tropischen Nordatlantik westlich von Nord-Afrika wärmer geworden und begünstigen so die Enstehung von TC. Quelle: https://www.esrl.noaa.gov/psd/data/composites/day/

3. Der Nordatlantik ist aktuell Ende Mai 2017 insgesamt – also auch einschließlich der tropischen und subtropischen Meeresoberflächen – eher etwas wärmer als normal, wie die beiden positiven Werte des AMO-Index für die Monate März 2017 mit +0,174 und April 2017 mit +0,289 zeigen. AMO (Atlantische Multidekaden-Oszillation) Quelle: http://www.esrl.noaa.gov/psd/data/correlation/amon.us.long.data

Die Unisys-Analyse der Abweichungen der Meeresoberflächentemperaturen (SSTA) im Norddatlantik zeigt Ende Mai 2017 vor allen in der NW-Hälfte und in der Mitte große Flächen mit Unterkühlung (blaue Farben), während in den für die Entstehung von TC maßgeblichen tropischen Gebieten von 5°N bis 15°N vor allem westlich von Nordafrika übernormale SST zu sehen sind (Farben gelb und orange). Während vor allem der mittlere Nordatlantik Ende Mai gegenüber März 2017 kräftig abgekühlt ist, sind die für die Entstehung von TC maßgeblichen Gebiete im tropischen Nordatlantik westlich von Nord-Afrika wärmer geworden und begünstigen so die Enstehung von TC. Quelle: http://weather.unisys.com/surface/sfc_daily.php?plot=ssa&inv=0&t=cur

Die Erwärmung des tropischen Nordatlantiks von Ende März 2017 bis Ende Mai 2017 mit aktuellen SST über 26°C vor allem vor der Westküste Nordafrikas begünstigt die Entstehung von TC aus den von Zentralafrika nach Westen ziehenden Tropischen Wellen (tropical waves).

Die Unisys-Analyse der Meeresoberflächentemperaturen (SST) im Norddatlantik sind Ende Mai 2017 vor allen in der NW-Hälfte großen Flächen mit kaltem Wasser (blaue Farben), während in den für die Enstehung von TC maßgeblichen tropischen Gebieten von 5°N bis 15°N vor allem westlich von Nordafrika über 26°C warme SST zu sehen sind (rote Farben). Quelle: GebiezPrognosegrundlage Ende März 2017 (rechts). Während vor allem der mittlere Nordatlantik Ende Mai gegenüber März 2017 kräftig abgekühlt ist, sind die für die Entstehung von TC maßgeblichen Gebiete im tropischen Nordatlantik westlich von Nord-Afrika wärmer geworden und begünstigen so die Enstehung von TC. Quelle:  http://weather.unisys.com/surface/sfc_daily.php?plot=ssd&inv=0&t=cur&inv=0

Die aktuelle Grafik lässt die rasche Erwärmung von Null K auf um 0,8 K Abweichung im maßgeblichen Gebiet des TNA (östlicher tropischer Nordatlantik im Bereich 55°W – 15°W, 5°N – 25°N) von März bis Mai 2017 gut erkennen:

Der TNA-Plot der SSTA zeigt die kräftige Erwärmung im östlichen tropischen Nordatlantik von März bis Mai 2017. Quelle: http://stateoftheocean.osmc.noaa.gov/all/

Zusammenfassung: Wegen der erheblichen Veränderungen der Ausgangslage Ende Mai 2017 gegenüber März 2017 ist auch eine Veränderung der Klotzbach/Bell-Juni-Prognose hin zu überdurchschnittlichen Hurrikanaktivitäten zu erwarten, wie sie bereits von NOAA Ende Mai 2017 gesehen werden.

UPDATE 2.6.2017: Die Hurrikanforscher Klotzbach/Bell haben in ihrer Prognose vom 1.6.2017 erwartungsgemäß die Prognose für die Hurrikanaktiviäten der Saison vom 1. Juni bis 30. November 2017 im Nordatlantik angehoben, allerdings nur auf  „ca. Durchschnitt“, was sich natürlich mit der Juli-Prognose noch weiter steigern könnte…:

„…We have increased our forecast and now believe that 2017 will have approximately average activity. The odds of a significant El Niño in 2017 have diminished somewhat, and portions of the tropical Atlantic have anomalously warmed over the past two months…“

Hurrikane auf dem Nordatlantik entstehen oft aus einer „Tropischen Welle“ (Tropical Wave), die von Westafrika aus der innertropischen Konvergenzzone kommend zwischen 5° und 30° N nach Westen zieht.

Diese zunächst unorganisierten Gewitterzellen können sich unter günstigen Bedingungen dann über Gewittercluster zu TD (Tropical Depression), TS (Tropical Storm) und daraus zu Hurrikanen der Stufen 1 bis 5 nach der Saffir-Simpson-Hurrikanskala entwickeln.

Üblicherweise erreicht die Hurrikan-Aktivität Anfang September jeden Jahres ihren Höhepunkt:

Der statistische Jahres-verlauf der Hurrikan- und Tropical-Storm-Aktivität im Nordatlantik vom 1. Juni bis 30. November
Der statistische Jahresverlauf der Hurrikan- und Tropical-Storm-Aktivität im Nordatlantik. Quelle: http://www.nhc.noaa.gov/climo/#cp100

Die Namensliste für die Hurrikansaison 2017 und die Folgejahre findet man hier: Cyclone Names

Die aktuellen Vorhersagen: http://www.nhc.noaa.gov/

NOAA-Hurrikan-Prognose vom 27.5.2017 für die kommenden 48 Stunden: Tote Hose! Quelle wie vor

Die aktuelle globale Entwicklung: Link

Dann schau’n wir doch mal, wie sich ENSO, AMO/TNA und die Hurrikansaison im Nordatlantik in diesem Jahr entwickeln, …und wie kalt das Jahr 2017 nach fast 20 Jahren fehlender globaler Erwärmung insgesamt wird…

Letzte Meldung: UWZ warnt vor Starkschneefall in Nordskandinavien vom 27. zum 28. Mai 2017:

UWZ heute um 19.32 MESZ mit Warnung vor Starkschneefall in Nordskandinavien (Schweden und Norwegen). Bei Warnstufe „ROT“ werden von heute bis morgen über 1000m Höhe mehr als 20 cm Neuschnee in 12 Stunden erwartet. Quelle: http://www.unwetterzentrale.de/uwz/europe.html

 

Herzlich euer

Schneefan2015

 

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