UPDATE 1.7.2017: Hitzealarm im Alpenland – Die Weltwoche. „Das Bundesamt für Umwelt warnt die Schweizer vor den tödlichen Gefahren einer Hitzewelle. Der kollektive Wahnsinn wird bewusst geschürt und wissenschaftlich verbrämt.“
Da ist es nach einem kühlen Start mit Bodenfrost in den deutschen Sommer 2017 mal ein paar Tage verbreitet sommerlich warm mit Temperaturen über 25°C, da rollt schon wieder eine mediale Hitzewelle durch Deutschland.
Bekannte Wetterportale wie WetterOnline und die Unwetterzentrale wollen da nicht außen vorstehen und setzten sich an die Spitze der gar tödlich erscheinenden sommerlichen Wärme, der sich Millionen wärmesuchender Nord-, Mittel- und Westeuropäer jährlich freiwillig in südlichen Urlaubsländern wochenlang aussetzen, möglicherweise in suizidaler Absicht…?
Da werden bei Tagehöchsttemperaturen (Tmax) bei über 30°C von der Unwetterzentrale Deutschland wertvolle Überlebenstipps gegeben:
„…SONDERINFORMATION
Derzeit Hitze und sehr hohe UV-Belastung – einige Tipps
– Die wärmste Tageszeit ist in der Regel zwischen 14 und 18 Uhr, die kühlste Tageszeit zwischen 3 Uhr und Sonnenaufgang.
– Sportliche Betätigungen und besonders schwere körperliche Arbeit, wenn möglich, abseits der heißesten Tageszeit verlegen.
– Ausreichenden Sonnenschutz verwenden, entsprechende Kleidung und Sonnenschutzcreme mit besonders hohem Lichtschutzfaktor. Für Babys und Kleinkinder vorzugsweise LF 50 verwenden.
– Räume verdunkeln, denn die Sonneneinstrahlung heizt die Räume stark auf
– Kinder und Tiere nicht im Auto lassen. Schon in wenigen Minuten heizt sich der Innenraum eines PKWs auf lebensbedrohliche Temperaturen auf
– leichte Kost; möglichst viel Mineralwasser und Obst zu sich nehmen
– Kaltes Wasser über Handgelenke laufen lassen erzielt eine kühlende Wirkung…
Dieser Lagebericht wurde am 22.06.2017 um 08:26 Uhr ausgegeben.“
Fast das gesamte Bundesgebiet wird seit Tagen mit Hitzewarnungen überzogen.
(zum Vergrößern anklicken)

Dabei wurde bereits am 19.6.2017 für den 22. und 23.6.2017 in Köln vor Tmax bis zu 36° gewarnt.

Mit Tmax von 30° und höher seit Montag, 19.6.2017 in einigen Teilen Deutschlands ist bei einem absehbaren Ende der kurzen und regional begrenzten Hitzeepisode ab Freitag, 23.6.2017 keine meteorologische Hitzewelle in großen Teilen Deutschlands zu sehen, wie die nachfolgenden Tmax-Grafiken für Deutschland ab 19.6.2017 zeigen.

Die Tmin an diesen drei Tagen zeigen nur am 21. Juni in einem engbegrenzten Gebiet im Westen Deutschlands mit 20°C und etwas darüber eine „Tropische Nacht“ an, wie sie zu einer echten Hitzewelle gehört…

Nachtrag: Die Tmin vom 22.6.2017 ohne „Tropennacht“ in Deutschland, die Tmax vom 22.6.2017 mit ordentlicher Hitze – außer im Norden.

Nachtrag: Die Tmin und Tmax vom 23.6.2017 – eine Tropennacht nur südlich der Mainlinie, Resthitze nur im südlichen Süddeutschland.

Wir erinnern uns an die zutreffende Definition einer Hitzewelle in Mitteleuropa laut WetterOnline, die ich hier schon anläßlich der Fake-Hitzewelle Ende Mai 2017 in Deutschland beschrieben hatte.
„…Übrigens: In den Medien und selbst bei WetterOnline rollt angeblich in den kommenden Tagen eine Hitzewelle auf Deutschland zu:
„Perfekte Planung: Ausgerechnet zum für viele langen Wochenende rollt die erste Hitzewelle des Jahres heran. Bereits ab Samstag sind am Rhein bis 30 Grad drin. Am Sonntag und Montag wird es überall um 30 Grad heiß...“
Das ist natürlich meteorologischer Unsinn, wenn man die Definition einer Hitzewelle bei Wetteronline selbst anschaut:
„Von einer Hitzewelle spricht man, wenn die Höchsttemperatur an fünf oder mehr aufeinanderfolgenden Tagen 30 Grad oder mehr erreicht…“
Das wird in Deutschland Ende Mai 2017 mit Sicherheit nicht eintreten!
Zwei Hitzetage machen noch keine Hitzewelle, aber wohl eine Medienwelle…“
Das gilt auch für vier Hitzetage…
Aber vielleicht gibt es ja auch noch am Freitag, 23.6.2017 zumindest in Süddeutschland an der einen oder anderen Wetterstation den fünften Tag mit Tmax von 30°C und mehr: Das war dann dort die erste Hitzewelle des Jahres 2017, die ihren Namen meteorologisch auch verdient…
Die eher trüben Aussichten in Richtung Siebenschläferzeitraum hatte ich gestern hier schon beschrieben:
„Die aktuellen Prognosen aller Modelle sehen weiter eine kräftige Abkühlung in 850 hPa (rund 1500m) zum Monatswechsel Juni/Juli 2017 z.B. in Köln.
(zum Vergrößern anklicken)

Quelle: http://www.wetterzentrale.de/de/show_diagrams.php?model=multi&var=2&geoid=9190&lid=OP&bw=
Bei Eintreffen dieser Entwicklung sind in Deutschland Tmax um 20°C zu erwarten…, wenig sommerliche Siebenschläfer-Wetterlage…

Dazu aber in den kommenden Tagen mehr.
Immerhin hat nun auch WetterOnline diese „Kältewelle“ im Sommer 2017 in Deutschland hinter der Gewitterluft erkannt: Trend: Wechselhafter und deutlich kühler.
Letzte Meldung: Die Abweichungen der globalen 2m-Temperaturen gehen im Juni 2017 auf die bisher niedrigsten Werte des Jahres 2017 zurück (Grafik-Update 23.6.2017).

Herzlich euer
Schneefan2015
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Hallo Schneefan :
Auch im Winter gibt es so manche Stilblüten wie Schneewalze bei 5 – 10 cm Schnee. Auch gut „Amtliche Warnung vor Frost bis -2°C“. Sollte ja in unseren Breiten vorkommen, genauso wie Hitze.
Da gab es markantener Hitzewellen, wie z.B 1976 oder auch 1947. Man redet nicht gerne darüber, weil es in das Global Warming Muster nicht passt.
Ein Grund dafür ist vielleicht auch das klägliche Versagen der Wetterdienste bei Orkan Lothar. Da fuhren bei uns schon die Mülltonnen spazieren als die erste Warnmeldung kam. Nun eben savety first.
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Hallo Pilsi57,
als Insider, der auchmal beim DWD war, möchte ich deinen Kommentar etwas ergänzen.
Frostwarnungen im Winter fanden und finden alle meine Kollegen wie ich selbst hochgradig albern – aber: Es gibt Kunden, die eine solche Warnung bestellen und auch dafür zahlen! (warum auch immer). Als Dienstleister ist der DWD dann verpflichtet, eine solche Warnung auszugeben – die natürlich auch im Internet erscheint.
Und zum Orkan Lothar: Bei Vorhersagen von Extremereignissen muss man vorsichtig sein. Die Warnung muss rechtzeitig und möglichst präzise sein. Dieses Spannungsfeld ist nur dann sinnvoll zu meistern, wenn die Numerik entsprechende Hinweise gibt – Panik-Schaumschläger gibt es wahrlich schon genug. Im Falle von Lothar gab es aus der Numerik keinerlei Hinweise auf die Entwicklung. (Die Ursachen hierfür sind inzwischen erkannt und hoffentlich abgestellt). Erst als der Orkan um 3 Uhr nachts in Frankreich auf das Festland übertrat, konnte man anhand der Wettermeldungen erkennen, welches Unheil sich da zusammenbraut. Bereits 12 Stunden später lag Lothar schon genau über Deutschland. Eine so kurze Vorwarnzeit, gerade auch an einem Weihnachtsfeiertag, kann unmöglich gleich alle relevanten Kreise erreichen.
Leider ist alles nicht ganz so einfach. Außerdem war Lothar vor 18 Jahren (Weihnachten 1999), und sowohl Numerik als auch Beobachtungstools haben sich seitdem noch enorm verbessert.
Sorry, Schneefan, das gehört jetzt nicht zum Thema deines Beitrags. Andererseits schreibt Pilsi57 konstruktiv, so dass er vielleicht diese Informationen wohlwollend prüft.
Dipl.-Met. Hans-Dieter Schmidt
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Das passt schon…
Die Stratosphärenmodelle unterstützen die kräftige Abkühlung in Mitteleuropa zum Siebenschläferzeitraum Anfang Juli 2017 mit einem kräftigen kalten Trog über West- und Mitteleuropa.
Quelle: ECMWF
Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/stratosphere/strat_a_f/#emcz
Entsprechend kalt wird es dann…
Quelle: Wetterzentrale
…und es fallen reichlich Niederschläge,…
Quelle: Wetterzentrale
…, ab Ende Juni 2017 in den Alpen zunehmend wieder als Schnee bis runter auf 1500 m…:
Quelle: Bergfex Schneevorhersage vom 23. für den 28./29.6.2017
Eine ausgeprägte eher herbstliche Westdrift reicht in 850 hPa (rund 1500 m) von Kanada über den Atlantik und über Mitteleuropa bis zur Ukraine, wo sie in einer WW- (Winkel-West) Großwetterlage endet.
Quelle: Wetterzentrale
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Hallo Herr Schmidt,
ich bin deswegen hier auf dieser Seite, weil man hier konstroktiv diskutieren kann. habe da in anderen Foren Prügel einstecken müssen, da geht es sehr schnell nicht mehr um die Sache.
Ich weis nur seinerzeit, dass Herr Kachelmann harsche Kritik am DWD übte, da er behauptete, dass er diese Entwicklung früher erkannt hätte. Ob das nun stimmt sei dahingestellt. Man kann auch zur Entschuldigung ausführen, dass die Unwettervorhersage noch nicht den Stand von heute hatte, und Lothar ein Schnellläufer war. Für mich ist aber dieses Ereignis ein Wendepunkt in der Unwettervorhersage. Leider geschieht jetzt genau das Gegenteil, die Menschen nehmen bei der Flut von Warnungen die wirklich relevanten nicht mehr ernst. Zumindest besteht die Gefahr. Es ist eine gewisse Vollkaskomentalität.
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Die Wetterwebseiten gehen alle in eine Richtung, nach unten. Selbst für das Oberrheintal werden nur noch Höchsttemperaturen von unter 20°C vorhergesagt. Die 850hpa Temperatur geht um den Monatswechsel gegen 0°C ( meisten Modelle unter 4°C ) was u.U sogar Schnee im Südschwarzwald und Bayerischen Wald bedeuten könnte. Es sind so gut wie keine Ausreißer zu erkennen, nur im weiteren Verlauf wird es wieder uneinheitlich. Aber die kühlen Varianten überwiegen.
Den Regen können wir gerade in Südwesten sehr gut gebrauchen. Haben doch ein ziemliches Defizit von 30 – 40 %
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