Modelle: Siebenschläfer entscheidet den Sommer 2017 – Hopp oder Top?

UPDATE 30.6.2017: UWZ mit Starkregenwarnung für Norddeutschland – Berliner Feuerwehr ruft Ausnahmezustand aus!

UWZ-Starkregenwarnungen für den 30.6.2017 in Norddeutschland. Für den Großraum Berlin werden heute in zehn Stunden bis zu 250(!) Liter Regen auf den m² erwartet. Quelle: http://www.unwetterzentrale.de/uwz/
UWZ-Warnungvom 30.6.2017 vor extremen Starkregen bis zu 250(!) l/m² in 10 Stunden in Berlin. Quelle: wie vor

Die Wettermodelle geben aktuell recht übereinstimmend die Prognose für eine Westwetterlage im Siebenschläferzeitraum vom 27.6. bis zum 11.7.2017.

Als Siebenschläfertag wird nach dem alten Julianischen Kalender noch der 27. Juni benannt. Wegen der gregorianischen Kalenderreform von 1582 liegt er aber seitdem am 7. Juli.

Mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 70% – in Süddeutschland sogar bis zu 80% – setzt sich die Großwetterlage der ersten Juliwoche wegen der Erhaltungsneigung für mehrere Wochen, meist bis Mitte August, fort.

(zum Vergrößern anklicken)

ECMWF/GFS/GEM-Prognosen-Vergleich vom 24.6.2017 zum 4.7.2017. Die Modelle stimmen auffällig darin überein, dass Anfang Juli 2017 (Siebenschläferzeitraum) eine eher kühle atlantische Westdrift einsetzen könnte. Quelle: http://www.wetterzentrale.de/

Dabei ist das Rossby-Wellen-Karussell des Polarjets auf der sommerlichen Nordhalbkugel sehr aktiv, was einen raschen Wechsel von Tiefdruckgebieten und Zwischenhochs in Mitteleuropa bedeutet.

WO/GFS-Prognose vom 24.6.2017 für den Verlauf des Polarjets in 300hPa (rund 8 km Höhe) am 5.7.2017 (Siebenschläferzeitraum). Die grünen und gelben Flächen zeigen die sechs bis sieben Austrogungen (Rossbywellen) im Polarjet an, was auf eine rasche Ostwanderung der Wellen deutet. Der Polarjet liegt für die Jahreszeit über dem Nordatlantik recht weit südlich und führt mit einer strammen Westströmung überwiegend kühle Meeresluftmassen von Nordamerika bis nach Mittel- und Südeuropa. Quelle: http://www.wetteronline.de/profiwetter/europa?pcid=pc_modell_expert&gid=euro&parameter=nhjt&base=17062406&model=gfs

Die Prognosen der Statosphärenmodelle von ECMWF und GFS mit einem maximalen Prognosezeitraum von 10 Tagen unterstützen derzeit diese Entwicklung mit einer strammen Westdrift in der unteren Stratosphäre.

Vergleich der Stratosphärenprognosen von ECMWF (150 hPa, rund 14 km Höhe) und von GFS (100 hPa, rund 16 km Höhe) vom 23./24.6.2017 für den 3./4.7.2017 (Siebenschläferzeitraum). Beide Modelle sehen eine kühle Troglage über West- (GFS) und Mitteleuropa (ECMWF), die bei ECMWF kräftiger und südlicher ausfällt als bei GFS. Mit einer für die Jahreszeit recht weit südlich liegenden westlichen Höhenströmung werden von Nordamerika über den relativ kühlen Nordatlantik feuchtkühle Meeresluftmassen nach Mitteleuropa geführt. Quelle: http://www.geo.fu-berlin.de/met/ag/strat/produkte/winterdiagnostics/index.html und http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/stratosphere/strat_a_f/#emcz

Das aktive Rossbywellenkarussell auf der Nordhalbkugel in Höhe der Tropopause ist hier im Lauf der Potentiellen Temperatur von 14 Tagen gut zu erkennen: Arctic ECMWF

Der Plot der Nordhalbkugel zeigt den Lauf der Analyse der potentiellen Temperaturen im Bereich des arktischen Polarwirbels (Polar Vortex) in Höhe der Tropopause (etwa um 8 bis 12 km Höhe). Die grüne und blauen Farben zeigen kalte polare/subpolare Luftmassen, die gelb/orange/roten Farben zeigen warme tropische/subtropische Luftmassen. Die rasche Bewegung der wechselnden Luftmassen von West- nach Ost (links nach rechts) in unseren Breiten weist auf das aktive Rossbywellenkarussel im Polarjet und im Subtropenjet hin, die im Wechsel kalte und warme Luftmassen auch nach Europa führen. Am 24.6.2017 liegen mäßig warme subtropische (orangefarbene) Luftmassen über dem östlichen Nordatlantik und großen Teilen Deutschlands, während Nordeuropa schon von kühleren Luftmassen (gelb und grün) überströmt wird. Nördlich und westlich von Schottland machen sich nach weiteren mäßig warmen Luftmassen dann kältere (grüne) Luftmassen auf den Weg nach Europa. Quelle: http://www.pa.op.dlr.de/arctic/ecmwf.php

Grundsätzlich gilt: Je höher die Anzahl der Wellentäler (Höhentröge) und Wellenberge (Höhenrücken), desto größer ist die (Phasen-) Geschwindigkeit des Systems. Wetteran – Grundlagen – Vorticity

„Wellenlänge und Wellenzahl korrelieren folglich, d.h. dass sich mit zunehmender Wellenzahl die Wellenlänge verkürzt. Meist bewegt sich die Zahl der Rossby-Wellen auf der Nordhemisphäre zwischen drei und fünf. Je höher die Wellenzahl, desto rascher bewegen sich die Rossby-Wellen nach Osten, da ihre Phasengeschwindigkeit aufgrund der Wellenlängenverkürzung zunimmt. Bei niedriger Wellenzahl (< 3) können die (langen) Wellen stationär sein oder gar retrograd wandern. Dies ist bei den sogenannten Blockinglagen der Fall.“

Dabei gibt es allerdings einen Trost: Bisher sind es nur Modellrechnungen. Es bleibt also abzuwarten, ob sich die berechnete unsommerliche Großwetterlage Anfang Juli 2017 auch tatsächlich einstellt.

Was spricht dafür ?

Die seit Jahrhunderten auftretenden natürlichen Witterungsregelfälle (Singularitäten) bis in die aktuelle Neuzeit weisen auf die Dominanz natürlicher Zyklen bei Wetter und Klima hin. Die auch in diesem Jahr erneut kräftige Schafskälte hat eine unglaubliche Eintreffwahrscheinlichkeit von 89 %.

Die Entwicklung regionaler Wetterereignisse ist dabei stets in natürliche globale Entwicklungen eingebunden, wie der bekannte amerikanische Meteorologe Joe Bastardi schreibt: „One must think globally to forcast locally.“ („Man muss global denken, um lokale Wettervorhersagen zu machen.“)

Die aktuelle globale Entwicklung ist bestimmt durch eine anhaltende globale Abkühlung nach dem El Niño-Peak der globalen Temperaturen im Februar 2016: Grönlandeis mit Rekordwachstum! „Global Warming“ Reality Check Mai 2017

Die Abweichungen der globalen 2m-Temperaturen gehen im Juni 2017 auf die bisher niedrigsten Werte des Jahres 2017 zurück.

Der Plot stellt die gemessenenen und berechneten Abweichungen der globalen 2m-Durchschnittstemperaturen zum international üblichen modernen WMO-Klimamittel 1981-2010 dar. Nach den bis zum 23.6.2017 gemessenen und für die folgenden sieben Tage berechneten Werten gehen die globalen Temperaturen (schwarze Linie) ab Ende Mai 2017 wieder nach unten, obwohl sie mit dem wärmenden NASA/GISS-Faktor “adjusted” (verfälscht) wurden. Vor allem auf der ins Winterhalbjahr startenden SH (blaue Linie) mit 81% Meeresoberflächen stürzen die Temperaturen in der Prognose Ende Juni 2017 regelrecht bis unter NULL K Abweichung ab und erreichen dort und bei den globalen T-Abweichungen (dT) mit durchschnittlich 0,345 K für den Juni bisher insgesamt den tiefsten Stand dieses Jahres. Quelle: http://www.karstenhaustein.com/climate.php

Außerdem befinden wir uns seit 2,7 Millionen Jahren in einem geologischen Eiszeitalter und die Erde wird seit 8000 Jahren kälter!

Eine weitere bedeutende Rolle für die globale und regionale Wetterentwicklung dürfte die schwächste Sonnenaktivität seit 200 Jahren spielen: Absturz der Sonnenaktivität Anfang März 2017!

Dazu kommt, dass die Erde am 3. Juli 2017 mit 152 Mill. km Abstand den sonnenfernsten Punkt (Aphel) der Erde auf der Umlaufbahn um die Sonne erreicht hat und damit Anfang Juli die jährlich geringste Strahlungsleistung der Sonne erhält (Abstandsgesetz – Die Bestrahlungsstärke nimmt mit dem Quadrat des Abstandes ab).

Die Differenz zum sonnennächsten Punkt (Perihel) der Erde Anfang Januar jeden Jahres beträgt rund 5 Millionen Kilometer oder rund 7,7 % der Bestrahlungsstärke auf der Erde.

Warten wir also – bei widrigen globalen Umständen – die in der ersten Juliwoche 2017 tatsächlich eintretende Großwetterlage ab und hoffen, dass die bisherigen Modellprognosen nicht eintreffen, die eher auf einen „Hopp“-Sommer hindeuten…

Letzte Meldung: Der Juni 2017 in Europa ist bisher überwiegend unterkühlt, dabei im Westen wärmer als im Osten.

Die Reanalyse der Abweichungen der 2m-Temperaturen zum international üblichen WMO-Klimamittel 1981-2010 vom 1. bis 22.6.2017 zeigt eine größere unterkühlte (blaue und grüne Farben) Osthälfte Europas mit einer kleineren überwärmten Westhälfte. Die Abweichungen im gesamten Europa dürften nahe Null K liegen. Quelle: http://models.weatherbell.com/temperature.php

Die Aussichten bis Anfang Juli 2017 sehen im Trend so aus (siebter Tag minus erster Tag).

Der Sieben-Tage-Trend (Prognose-Tag 7 minus Prognose-Tag 1) sieht in den westlichen Teilen Europas eine kräftige Abkühlung Anfang Juli 2017- auch in Deutschland. Keine „Hitzewelle“ in Sicht…Quelle: http://www.karstenhaustein.com/climate.php

Dazu folgerichtig der heute berechnete Temperaturverlauf und die erwarteteten Niederschläge vom 24.6. bis 9.7.2017 in KÖLN.

GFS-ENSemble-Prognose T850 hPa (1500 m) vom 24.6. bis zum 9.7.2017 (Siebenschläferzeitraum) für die Stadt KÖLN. Die Temperaturen liegen im Mittel (weiße Linie) zunächst nahe am Klima-Mittel (rote Linie), bleiben aber nach einem kurzen Höhenflug durchgehend ab Anfang Juli unter dem Klimamittel. Die Niederschläge nehmen über den Monatswechsel zu. Quelle: http://www.wetterzentrale.de/de/show_diagrams.php?geoid=9238&model=gfs&var=205&run=6&lid=ENS&bw=

 

Herzlich euer

Schneefan2015

 

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3 Gedanken zu “Modelle: Siebenschläfer entscheidet den Sommer 2017 – Hopp oder Top?

  1. Meinst wohl Top Sommer Schneefan in Deinem Schlusssatz.
    Aber bei der doch sehr einheitlichen, und erstaunlich mit sehr wenig Streuung versehenen Vorhersage bei den Modellen für Anfang Juli in allen Wetterportalen sieht es eher nach unterkühlt aus. Bei den 850Hpa Temperaturen sind Schneefälle im Südschwarzwald oder Bayerischen Wald auf deren höchsten Gipfeln nicht auszuschließen. Zuvor gehts nochmals rauf ( bis Mittwoch ), dann gehts bergab. Danach wie schon geschrieben, mehrheitlich gemäßigte Vorhersagen. Ein normaler mitteleuropäischer Sommer eben, der mir persönlich vollkommen ausreicht. Ertrage Kälte eher besser als Hitze.

    Was ist auch noch hoffe, dass wirklich die Regenmengen im Südwesten zustandekommen wie vorhergesagt. Wir haben leider schon ein großes Defizit an Regen, so um die 30%. Ein Gewitterguss bringt da gar nichts, der läuft ab und verdunstet, eher ein Landregen über 2 Tage. Schau mer mal.

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  2. Zur Frage zum englischen Begriff für „Witterung“ im Pingback-Artikel fand ich Folgendes:

    weather pattern – Witterungsverlauf {m}meteo.
    large-scale weather pattern- Großwetterlage {f}

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