Kräftige kalte La Niña im Atlantik – Schwache Saison 2015 mit erstem Hurrikan!

Update 25.8.2015: Das kurze Leben des Hurrikans „Danny“ (am Ende des Beitrags).

Während im äquatorialen Pazifik kräftige El Niño-Bedingungen herrschen, haben sich im äquatorialen Atlantik ebenso kräftige La Niña-Bedingungen entwickelt, wie die blauen Farben für unterdurchschnittliche Meeresoberflächentemperaturen (SST) dort zeigen:

La Niña im äquatorialen Nordatlantik: Die blauen Farben zeigen die unterkühlten Meeresoberflächen in großen Teilen des Nord- und Süd-Atlantiks, die gelben Flächen weisen auf überwaärmte Gebiete vor allem im Nordpazifik hin. Quelle:
La Niña im äquatorialen Atlantik: Die blauen Farben zeigen die unterkühlten Meeresoberflächen in großen Teilen des Nord- und Süd-Atlantiks, die gelb/orange/roten Flächen weisen auf überwärmte Gebiete vor allem im Nordpazifik hin. Quelle: http://weather.unisys.com/surface/sfc_daily.php?plot=ssa&inv=0&t=cur

Wer nun erstaunt sein sollte, dass es auch im Atlantik warme El Niño- und kalte La Niña-Bedingungen geben soll, der kann hier etwas darüber finden. Die El Niño / La Niña-Klimavariabilität im tropischen Pazifik und ein Vergleich der ihr zugrunde liegenden Prozesse mit jenen im tropischen Atlantik

„Abstract: In der Arbeit wird die El Niño/ La Niña-Klimavariabilität im tropischen Pazifik in seinen zentralen Aspekten dargestellt…Für die Regionen des Pazifiks und Atlantiks werden Prozesse und Regelhaftigkeiten herausgearbeitet, die zu interannualen Variabilitäten des bodennahen Luftdrucks, der Winde, der Meeresströmungen, der SST, der Thermokline, des Meeresspiegels, der Niederschlagsverteilung und schließlich der allgemeinen atmosphärischen Zirkulation in den Tropen führen. Sowohl für den Atlantik als auch für den Pazifik werden positive Rückkopplungen in der wechselseitigen Beeinflussung von Ozean und Atmosphäre beschrieben, die eine anfängliche Störung verstärken…“

Wegen der deutlichen geringeren Breite des atlantischen Beckens gegenüber der Breite des Pazifiks und wegen der vorspringenden Landflächen Afrikas und Südamerikas sind die meteorologischen Auswirkungen der atlantischen Geschwister von El Niño und La Niña jedoch weit geringer und weniger dauerhaft als im Pazifik.

Allerdings sind in der Grafik oben neben den recht kühlen Wasserflächen im äquatorialen Atlantik weitere deutlich unterkühlte Wasserflächen im tropischen Nordatlantik zwischen 10°N und 20°N von 40°W bis 80°W zu sehen.

Diese schwächen die Bildung Tropischer Zyklone (Tropical Cyclone/TC).

Dies gilt sehr wahrscheinlich auch für den vierten „Tropischen Sturm“ (TS) der Saison 2015 mit Namen „Danny“, der es nach den NOAA-Prognosen als erster TS in diesem Jahr mit langsamem Zug nach WNW um 15°N ab Samstag, 22.8.2015 vor den „Kleinen Antillen“ vorübergehend zu einem schwachen Hurrikan der Kategorie 1 schaffen soll, bevor er vor Erreichen der „Großen Antillen“ (Puerto Rico) über den unterkühlten Wasserflächen bereits wieder zum Tropischen Sturm (TS) abschwächt: (Zum Vergrößern anklicken)

NOAA Hurrikan-Warnung (H) vom 20.8.2015 für Sa, 22.8.2015 und zwei Folgetage mit Abschwächung zum Tropischen Sturm (TS) bereits am Mo, 24.8.2015 vor Puerto Rico. Quellle:
NOAA Hurrikan-Warnung (H) vom 20.8.2015 für Sa, 22.8.2015 und zwei Folgetage mit Abschwächung zum Tropischen Sturm (TS) bereits am Mo, 24.8.2015 vor Puerto Rico. Quelle: http://www.nhc.noaa.gov/cyclones/

Die  aktuelle animierte Satellitenaufnahme der Luftfeuchte über dem Nordatlantik zeigt „Danny“ unten rechts als kleinen blau/gelblich/orange eingefärbten (feuchten) fast kreisrunden Wirbel mit langsamer Zugrichtung WNW, nördlich davon ist ein riesiges Gebiet mit trockenen Luftmassen zu sehen, die für jeden TC lebensfeindlich sind…:

Aktuelle NOAA-Satellitenaufnahme der Luftfeuchte über dem Nordatlantik. TC/TS
Aktuelle NOAA-Satellitenaufnahme der Luftfeuchte über dem Nordatlantik. TC/TS „Danny“ ist heute unten rechts als kleiner blau/gelblich/orange-farbener (feuchter) fast kreisrunder Wirbel zu sehen. Nördlich davon ist ein riesiges Gebiet mit trockenen Luftmasse zu erkennen, die jede TC-Entwicklung hemmen. Quelle – Zum Animieren anklicken: http://www.ssd.noaa.gov/goes/east/tatl/wv-animated.gif

Mal sehen, ob sich TS „Danny“ in dieser eher lebensfeindlichen Umgebung tatsächlich zu einem „Hurrikan“ entwickelt,…und wie lange er überlebt…

Update 25.8.2015: Danny hat es für gut zwei Tage zum Hurricane der Stufe 1 bis 3 gebracht, nämlich vom 20.8., 18.00 Uhr bis 23.8.2015, 00.00 Uhr. Er schwächte sich dann noch vor dem Erreichen der Kleinen Antillen rasch vom TS zum TD ab, bereits am 24.8.2015 löste sich der TC Danny völlig auf, übrig blieben nur noch Reste (remnants):

Reste des kurzlebigen Ex-Hurrikans Danny (rotes x) bei den Kleinen Antillen am Mo, 24.8.2015. Quelle:
Reste des kurzlebigen Ex-Hurrikans Danny (rotes x) bei den Kleinen Antillen am Mo, 24.8.2015. Quelle: http://www.nhc.noaa.gov/cyclones/

Herzlich euer

Schneefan2015

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